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Pegelstand

von Simon Jäggi
© Rodja Galli, a259

Simon Jäggi

Simon Jäggi ist Sänger der Kummerbuben und im Naturhistorischen Museum Bern zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Er hat Familie und hält Hühner. Illustration: Rodja Galli, a259

«Nein, diese Kolumne wird sich nicht um Kulturpolitik drehen. Sie dürfen beruhigt weiterlesen», so bin ich vor drei Jahren in meinen ersten Pegelstand eingestiegen. Und da es sich hier um meine letzte Kolumne handelt, werde ich aus Trotz (gegenüber mir selber) doch nochmals über Kulturpolitik schreiben; etwas, was mir in 26 Kolumnen immer wieder unterlaufen ist, obwohl es mir zugegebenermassen mehr Spass gemacht hat, in der kleinen Welt des gemeinen Haushuhns nach dem grossen Ganzen zu suchen.

Wem die Kultur etwas Wert ist, der kommt um die Kulturpolitik leider nicht herum. Meist bewegt sich auch die Kulturpolitik, wie dies der Politik gemein ist, mit Trippelschritten der Zukunft entgegen. Gibt man hier was dazu, entstehen dort neue Begehrlichkeiten; nimmt man hier was weg, ist der Aufschrei gewiss. Politikerinnen und Politiker mögen daher an diesem Jenga-Turm lieber nicht rumfingern. Gewisse Dinge ändern sich nie, auch wenn sie längst nicht mehr der Lebensrealität entsprechen. Daher bedarf die Kulturpolitik immer auch der Fantasterei. Gönnen Sie mir eine letzte. Ich würde mal behaupten, die Zahl der klassischen Musiker, die von ihrer Kunst ­leben können, ist in dieser Stadt (aufgrund der Kulturpolitik) zehn Mal so hoch wie jene der Rock- und anderen Musiker, die zeitgenössische Klänge produzieren. Durch den Einbruch der CD-Verkäufe steht der Berufsstand des Rockmusikers vor dem Aussterben. Ich will die Klassik keinesfalls attackieren. Ich stelle mir bloss eine Welt vor, in der es Rockmusiker gäbe, die mit demselben Fokus ihre Arbeit verrichten könnten.

Derzeit mache ich mit meiner Band den Soundtrack zum Weihnachtsmärchen bei Konzert Theater Bern. Das hat mich auf eine Idee gebracht: Wie wäre es, wenn das Theater neben dem Orchester auch ein kleines Ensemble mit zeitgenössischen Musikern aufweisen würde? Ich träume weiter.


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