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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville / Kino Rex. Illustration: Rodja Galli, a259

Die Kulturschaffenden und ihr Publikum teilen sich ja gemeinhin in bekannte und vertraute Szenen ein. Man kennt sich, man trifft sich, man grüsst sich, man klopft sich auf die Schultern oder tratscht sich szeneintern die Seele frei. Die Filmszene verkehrt in der Filmszene, die Literaturschaffenden feiern ihre Feste mit Literaturfans, die Musikszene tanzt mit Menschen aus der Musikszene, Kunstinte­ressierte treffen sich an Vernissagen mit anderen Kunstinteressierten, die Theaterszene feiert gemeinsam Premieren in der Theaterszene.

Langweilig? Eben. Höchste Zeit also, sich zu vermischen, Augen und Ohren zu öffnen fürs andere Gartenbeetchen, für frische Lüftchen, andere Menschen, neue Kunst(sparten).

Ein kleines, quasi von Amtes wegen verschriebenes gutes Beispiel ist die jährliche gemeinsame Verleihung des Musik- und Filmpreises des Kantons Bern. Gut, einige werden nun bemängeln, dass der Spartenmix die Veranstaltung unangenehm lang macht. Aber hey, das soll einmal jährlich erlitten sein! Jedenfalls vermischen sich da musikalische Menschen mit visuell begabten, man entdeckt plötzlich, dass der Nachbar ins Musikgärtchen gehört, Filmschaffende realisieren, dass sie für ihren Soundtrack auch mal heimische Komponistinnen oder Komponisten berücksichtigen könnten, Musikerinnen entdecken Regisseure, die von Bern aus die Welt erobern. So haben sich etwa an dieser Preisverleihung letzte Woche die Filmohren weit geöffnet für die hoch begabte Musikerin Rea Dubach aus Biel.

Vermischt euch, Kommissionen und Jurys des Kantons und der Städte, organisiert ein Fest der Preisverleihungen, ruft einen fixen Kulturmix ins Leben, was ganz nebenbei auch Kosten und Daten sparen würde.

Feiern kann man auch mit andersgleichen, Literatur tanzt bestimmt gut mit Kunst, der Kanton mit der Stadt, Film lernt von Bildender Kunst und es freuen sich alle, wenn für einmal eine andere Hand auf die Schulter klopft.


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