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Pegelstand

von Simon Jäggi
© Rodja Galli, a259

Simon Jäggi

Simon Jäggi ist Sänger der Kummerbuben und im Naturhistorischen Museum Bern zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Er hat Familie und hält Hühner. Illustration: Rodja Galli, a259

«Selbstruhm stinkt», pflegte die Mutter einer Bekannten zu sagen. Als Kind verstand diese stets: «sälbscht dr Umstinkt». Sie hielt den Umstinkten für eine Person.

Inhaltlich gehe ich mit der Mutter einig, daher werde ich hier die neue Ausstellung des Naturhistorischen Museums Bern nicht loben. Nur einige Eckdaten: Diesen Freitag eröffnet «Weltuntergang – Ende ohne Ende». Für ein Naturmuseum keine gewöhnliche Schau: Sie lässt naturwissenschaftliche Themen auf Kunstwerke treffen.

Es könnte ein herausragender Jahrgang werden, das Museumsjahr 2017. Das Alpine Museum zeigt weiterhin die exzellente Ausstellung «Wasser unser». Im Sommer wurde das Museum für Kommunikation wiedereröffnet – mit sogenannten Kommunikatoren versucht das Haus, die Museumszukunft auszuloten. Seit letzter Woche sind die Gurlitt-Bilder zu sehen. Diese Woche nun ist das Naturhistorische Museum an der Reihe. Und nächste Woche vervollständigt das Historische Museum die Triplette mit der Sonderausstellung «1968».

Es würde sich also lohnen für Luzerner oder Lausanner, mal wieder in Bern ein Museum zu besuchen. Wir Berner besuchen Basler und Zürcher Museen, umgekehrt geschieht dies leider weniger selbstverständlich.

Es ist derzeit viel die Rede davon, wie sich die Kulturstadt Bern besser verkaufen sollte. Auch die Museumsstadt Bern hat Luft nach oben. Eigentlich ist es unglaublich, dass die Museumsinsel, wo sich sechs Häuser auf engstem Raum befinden, nicht schon seit Jahrzehnten als solche vermarktet wird. Aber bislang fehlt es sogar an einem offiziellen Namen: Soll «das Museumsquartier» beworben werden oder doch «die Museumsinsel»? Es sind viele Bemühungen im Gange, die Museumsinsel auf die Landkarte zu setzen. Und die Museen haben ihren Teil dazu zu leisten, etwa indem sie an den gesamten Standort denken und nicht nur an ihre Institution. Selbstruhm ist in diesem Fall voll okay: Die hochklassigen Ausstellungen wären nämlich vorhanden.


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