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Strömquists Botschaft: «Ich fühl's nicht» © Maja Flink
Schlachthaus Theater, Bern

Wir haben die Liebe verlernt

Der April ist der Monat der Literatur. Zumindest im Schlachthaus Theater, in dem heuer das Berner Lesefest Aprillen wieder stattfinden kann – vor Ort oder im Livestream

Veranstaltungsdaten

MI 14.04.2021 20.30
DO 15.04.2021 12.00
FR 16.04.2021 18.00
SA 17.04.2021 18.00

Man kann den Anderen, dem die Andersheit genommen worden ist, nicht lieben, sondern nur konsumieren.» Das schreibt Liv Strömquist in ihrer neusten Graphic Novel «Ich fühl’s nicht» (2020), die im Avant-Verlag erschienen ist. Die schwedische, feministische Zeichnerin und Politikwissenschaftlerin («Der Ursprung der Welt» 2010, «Der Ursprung der Liebe» ,2018) ist bekannt dafür, dass sie befreite Sexualität, strukturelle Geschlechterungleichheiten und die weibliche Intelligenz ins Zentrum ihrer sachlich erzählten, mit Quellen versehenen und bebilderten Geschichten rückt. Nun knöpft sie sich in «Ich fühl’s nicht» die Liebe im Spätkapitalismus vor und erklärt, wie diese zur Ware wurde. Gewohnt ironisch, zugänglich und clever geht sie mithilfe von fünf Theorien – wie etwa «das Verschwinden des Anderen», «die Konjunktur der rationalen Wahl» oder «die Entzauberung der Welt» – der Frage nach, warum uns die Liebe im Spätkapitalismus so schwer fällt.

Von Leonardo di Caprio bis Sokrates

Als Ausgangspunkt nimmt sie Leonardo di Caprio, eine «lauwarme Herdplatte, die das Wasser nie richtig zum Kochen bringt» und den Umstand, dass di Caprio unfähig sei, sich ernsthaft auf eine seiner zahlreichen Supermodel-Freundinnen einzulassen. Daran fächert sie ganze Themenfelder der kapitalistischen Gesellschafts­ordnung auf: Konsum, Individualität, Rationalität, Erfolg oder Männlichkeit. Sie zitiert Soziologinnen und Soziologen wie Byung-Chul Han oder Eva Illouz und kombiniert sie mit eben genanntem di Caprio, Sokrates oder dem Star-Wars-Charakter «Jabba the Hut». Wunderbar ironisch nimmt sie sich so dem Verletzlichsten – der Liebe und dem Ego – an, bringt sie zusammen und hält der Gesellschaft so den Spiegel vor: Ihr seid unfähig geworden zu lieben, klingt es aus den Seiten.

Von Bild und Text, Musik und Literatur

Während bei Graphic Novel Bilder und Text kombiniert werden, setzt Aprillen auf das Vermischen von Performance und Literatur. Kombiniert werden Strömquists feministische Geschichten an diesem Abend mit musikalischer Frauenpower: von den zwei Rap-Duos KimBo und SASA sowie der Bernerin Soukey und KA-RABA.

Bis zum nächsten Bundesrats­entscheid bleibt offen, ob das diesjährige Aprillen live vor Ort durchgeführt werden darf oder live aus dem Theater Schlachthaus gestreamt wird.

Gelesenes gibt es so auf jeden Fall. In der Zwischenzeit wünscht man sich Strömquists Graphic Novel griffbereit und als ständige Begleiterin, um sie bei der nächsten Diskussion dem Gegenüber schonungslos um die Ohren schlagen zu können.

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