mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Stauffers Mundart: direkt und melodiös.© Lukas Maeder
Ono das Kulturlokal, Bern

Wenn das Glück nicht «vo sich uus» kommt

Im neuen Mundartroman «Bluescht» der Bernerin Stef Stauffer reisst die unverfrorene Protagonistin die Masken ihrer Mitmenschen, die meisten davon Männer, nieder.

«Z Glück, söfu het me fange scho begriffe gha, würd sicher nid eifach vo sich uus zu eim cho. So chlei öppis het me scho derfür müesse tue», weiss die verwegene Protagonistin in Stef Stauffers neuem Buch «Bluescht». Sie unternimmt also mit ihrer Freundin Büse die erste «Bluescht»-Fahrt, zwar sei es erst Februar, aber irgendwo blühe sicher etwas. Die beiden kommen nicht weiter als die Strasse hinunter, in die Kneipe von Koni. Immerhin wurden sie aber nicht von der «Tschuggerei» angehalten auf dem Heimweg, obwohl «mä chuum meh hätt chönne gradusluege».

Liebschaften-Ballast

Jedes Kapitel des kurzweiligen Werks, dem Folgeroman ihres Buchs «Hingerhang», ist einer Person gewidmet. Oft sind es Männerfiguren, Liebschaften, die die namenlose Protagonistin abschüttelt wie Ballast. Etwa ihren Ex-Freund Häppu, an dem jegliche Kritik abperle und der stets sage, man solle lieber mal vor der eigenen Türe kehren. «Nume dass der meischt Dräck vor eim sire Türen är verursacht het, u das nid nume vor der Türe, sondern i der ganze Loosche.» Wenn sie jeweils mit ihren Freundinnen in den Ausgang gegangen sei, habe er auf dem Sofa, mit dem vorwurfsvollen Blick eines vernachlässigten Plüschtiers, gewartet. Der musste dann bald wieder ausziehen. Oder vom Fippu, bei dem die Chemie zwar schon von Anfang an nicht stimmte, sie dann aber doch noch zu ihm nach Hause sei. Als dieser dann davon anfing, er wolle rasch eine Familie gründen und drei Kinder in die Welt setzen, habe sie allerdings dafür gesorgt, möglichst schnell und un­geschoren davonzukommen. Oder Stifu, der Wirt im «Löie». Den brächten seine eigenen Witze dermassen zum Lachen, dass er neben den Barhocker gesessen und «z Boden isch wi i Zytlupe».

Unverfrorene, aufmüpfige Erzählerin

Die Sprache der im Kanton Zürich lebenden Berner Autorin und Journalistin ist gewohnt direkt und melodiös, die Geschichte der teilweise profanen Bewohnerinnen und Bewohner mit all ihren Eigenheiten wirken wie ein Sog, was vor allem an der unverfrorenen und aufmüpfigen Erzählerin liegt. Besonders käme der Rhythmus natürlich an einer Lesung zur Geltung. Bis man Stauffer aus dem Buch lesen hören kann, vertröstet eine Lesung auf Youtube, verspielt musikalisch umrahmt vom Multiinstrumentalisten Resli Burri.

Stef Stauffer «Bluescht», 2020
Zytglogge Verlag

Youtube: «Stef Stauffer – Musikalischi Läsig Bluescht»

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden