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Sommerlektüren – empfohlen von Berner Buchhändler*innen. © Bilger Verlag

Was Berner Buchhändler*innen lesen

Sommerzeit ist Romanzeit! Die BKA hat fünf Buchprofis gefragt, welche Geschichten sie selber mit an einen einsamen Strand oder auf den Balkon nehmen – fünf Lesetipps für Kulturberner*innen und leidenschaftliche Leser*innen.

An den Sonnenhängen des Wallis

Nicht besonders tiefgründig, aber sehr vergnüglich lese sich der Krimi «Gommer Sommer: Der erste Fall für Kauz» des Zürcher Psychiaters und Schriftstellers Kaspar Wolfensberger mit Zweitwohnsitz im Goms, findet der bekennende Krimifan Gallus 
Weidele von der ökumenischen Buchhandlung Voirol. Der von seiner neuen Vorgesetzen freigestellte Kriminalpolizist Kauz wird just in seinem Urlaub im Wallis mit zwei mysteriösen Mordfällen konfrontiert. «Der Plot ist nicht wahnsinnig anspruchsvoll, überzeugend ist die wunderbar liebevolle Beschreibung von Landschaft und Leuten im Goms.»

Kaspar Wolfensberger: «Gommer Sommer»
Bilger Verlag, 2016
www.voirol-buch.ch

Dunkler Humor für sonnige Tage

Auch Brigitte Rohrer von der Sinwel-­Buchhandlung mag Krimis. Ein Liebling der Buchhändlerin ist Stefan 
Slupetzkys «Im Netz der Lemminge». Darin geht es gut wienerisch bös zu und her: Old-School-Ermittler Leopold Lemming wird in seinem sechsten Fall Zeuge, wie ein kleiner Junge Selbstmord begeht – und unerwartet vom fassungslosen Polizisten zum mutmasslichen Verbrecher. «Von hinten durch die Brust direkt ins Auge» treffe Autor Slupetzky seine Leser*innen mit seinen schmerzhaft ehrlichen Beobachtungen der Figuren in seinem Roman, meint Brigitte Rohrer. «Lemming geht immer.»

Stefan Slupetzky: «Im Netz der Lemminge»
Haymon, 2020
www.sinwel.ch

Schatten der 
Vergangenheit

Keine sommerlich-leichte Kost empfiehlt hingegen Gabriela Bader von der Buchhandlung zum Zytglogge mit «Wo der Wolf lauert», dem neuen Roman der isrealischen Schrifstellerin Ayelet Gundar-Goshen: Eine israelische Familie verwirklicht in den USA das bürgerlich-geordnete Leben ihrer Träume fernab der Konflikte in Israel – bis der Mord an einem schwarzen Jugendlichen alles durcheinanderbringt. Was hat der Teenager-Sohn der Ich-Erzählerin mit dem Unglück zu tun? Ist das eigene Kind Rassist? Oder war es ein ehemaliger israelischer Geheimdienstler, der plötzlich auftaucht? Der Roman handelt von den langen Schatten der Vergangenheit, die die Gegenwart verdunkeln. «Was den Roman ausmacht, ist die psychologisch akkurate Zeichnung der Figuren: Es gibt bei Gundar-Goshen nie einfach gut oder böse – alles bleibt in der Schwebe», sagt Gabriela Bader.

Ayelet Gundar-Goshen: «Wo der Wolf lauert».
Kein und Aber, 2021
www.zytglogge-buchhandung.ch

Im Schatten anderer

Auch Dshamilja Walde von der Münstergass-Buchhandlung legt Berner*innen keine einfache Sommerlektüre ans Herz. «Drei Kameradinnen», der zweite Roman der deutschen Autorin Shida Bazyar, handelt vom Alltag der drei mittlerweile erwachsenen Freundinnen Kasih, Saya und Hani, die als Kinder in einem Wohnsilo am Rande einer deutschen Grosstadt gross wurden. Rassismus, Ausgrenzung und Sexismus haben sie wie das ABC internalisiert. Ich-Erzählerin Kasih erinnert sich ans Aufwachsen, wechselt dann wieder in die Gegenwart, in der ihre beste Freundin Saya der Brandstiftung angeschuldigt wird. «‹Drei Kameradinnen› lässt einen ein bisschen begreifen, was es bedeutet, als nicht-weisse weibliche Person in Deutschland zu leben. Shida Bazyar gelingt eine Art autofiktionaler Roman, der einem nah geht», sagt Dshamilja Walde.

Shida Bazyan: «Drei Kameradinnen»
Kiepenheuer & Witsch, 2021
www.muenstergass.ch

Versunken im Meer

Franziska Strauss von der Bümplizer Buchhandlung am Stadtbach empfiehlt eine Strandlektüre der etwas anderen Art: Vor rund 8000 Jahren war Grossbritannien durch das sogenannten «Doggerland» mit Norddeutschland und Dänemark verbunden. Ein Meeresanstieg und Erdrutsche haben das Land zum Verschwinden gebracht. Im gleichnamigen Roman der französischen Schriftstellerin Élisabeth Filhol erforscht die schottische Geologin Margaret die Geheimnisse des versunkenen Gebiets, das als «altes Herz Europas» gilt. Marc wiederum ist Ingenieur auf einer Bohrinsel im ölreichen Meer. «Margaret sucht nach Spuren des Lebens in einer fernen Vergangenheit, Marc arbeitet für eine Industrie der Gegenwart, die Bodenschätze ausbeutet», erklärt Strauss. Die beiden begegnen sich und sind voneinander fasziniert. Ein orkanartiges Unwetter konfrontiert sie mit der Zukunft. «Der Roman verhandelt über die zwei Figuren die Frage danach, was früher wohl war, blickt aber auch in die Zukunft: Wie gehen wir als Zivilisation mit der Natur um, aber wie reagiert die Natur zurück auf uns? Ein zeitiger Roman in diesem Ausnahmesommer.»

Élisabeth Silhol: «Doggerland»
Edition Nautilus, 2020
www.buchhandlungbuempliz.ch

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