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Ines Marita Schärer hat ihr Kunstprojekt zur «Connection Hotline» transformiert.© ZVG

Von Dracheneiern und Exoplaneten

Zur Linderung von Gefühlen der Isolation kann man unter einer Gratisnummer Spoken-Word-Arbeiten lauschen. Hinter dem Projekt steckt die Künstlerin Ines Marita Schärer.

Unzählige Menschen stehen zurzeit vor einer grossen Leere. Was tun mit so viel freier Zeit? Wie geht es weiter? Ein Projekt, das die unbarmherzige Absagenkralle nicht ergriffen hat und das jetzt erst recht an Bedeutung gewinnt, ist die von der Berner Künstlerin Ines Marita Schärer initiierte künst­lerisch-kuratorische Plattform «+41 (0)800 00 12 16 – a voice message project». Bereits seit über zwei Jahren können Sprachkunstinteressierte jederzeit die Gratisnummer 0800 00 12 16 wählen. Zu hören gibt es gesprochene literarische Texte oder künstlerische Werke, die auf Sprache basieren.

Sinnliche Sprachinhalte

Die Audioaufnahmen stammen von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Am Telefon wechseln die poetisch-philosophischen Sprachnachrichten zurzeit täglich, doch online gibt es sie alle auch zum Nachhören. So erzählt etwa eine Frauenstimme von einem gewissen Fassbinder, der ein Drachen­ei gebiert; eine andere reflektiert ihre Tätigkeit als Exoplaneten-Forscherin an der Universität Zürich; und noch eine andere schwelgt in nostalgischen Erinnerungen anihre verstorbene Urgrossmutter. Die Sprach­inhalte sind vielfältig und sinnlich, sie lösen Assoziationen aus und wecken farbenreiche innere Bilder.

Fokus auf Solidarität und Liebe

Als Reaktion auf die gegenwärtige Situation hat Schärer ihr Projekt temporär zur «Connection Hotline» transformiert. Jede und jeder könne nun eine Aufnahme einsenden: «Gefragt sind gefundene Textpassagen, Gedichte oder selbst geschriebene Beiträge», sagt Schärer. Die Inhalte sollen dabei direkt oder indirekt auf die aktuelle Krise eingehen, jedoch mit dem Fokus auf «positive Aspekte wie Freundschaft, Solidarität oder Liebe». Das zentrale Anliegen sei, «miteinander in Kontakt zu bleiben und Distanzen zu überwinden», so Schärer.

Für die junge Künstlerin, die in Bern und Brüssel lebt, sind die Stimme und die gesprochene Sprache wichtige Arbeitsmaterialien. Ihre Performances, Soundarbeiten und Installationen untersuchen verbale und nonverbale Ausdrucksweisen und hinterfragen die rationale, objektive Sprache, insbesondere deren fixierten Bedeutungen.

www.0800001216.ch

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