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Das «Haenni-Wort» nun auch einmal in gedruckter Form: «kiosktexte» ist erschienen. © Mali Lazell

Suppensongs und Lurchenhymnen

«Kiosktexte» ist ein Sammelsurium unterschiedlichster literarischer Texte und Auftragsarbeiten an die Regisseurin und Autorin Julia Haenni, die Geburtstagswünsche, Liebeshaikus, Date-Anfragen, Beerdigungsreden oder Tattoo­Ideen umfassen.

 

Bestellung einer Weihnachtsgeschichte, Bestellung eines Textes für die Beerdigungsfeier der geliebten Mutter, Bestellung eines Songs zum Thema Suppe, Bestellung eines Wortes für ein Beintattoo: Julia Haennis «Kiosk­texte» setzt sich aus 19 unterschiedlichen Texten zu unterschiedlichsten Themen zusammen, davon fast alles Auftragsarbeiten. Textbestellungen von Freunden, Theater oder Festivals. Mehrheitlich in Mundart geschrieben, vereint Haenni unterschiedliche literarische Gattungen, von Lyrik, Theater bis Erzählungen, weg vom Konventionellen, nahe am Gesprochenen: «Das haenni-wort wehrt sich nämlich gegen eine smoothe Sprache, die bloss schön klingt, aber nicht in der Tiefe gräbt», steht im Nachwort.

Julia Haenni lebt und arbeitet in Bern und Zürich als Regisseurin, Performerin und Autorin. Mit ihrem knapp 100-seitigen Büchlein will sie, wie im Vorwort steht: «daran erinnern, was Literatur alles kann – als Austausch zwischen Leser*innen und Autor*innen» und dass es sie braucht, «wie eine Kippe am Kiosk. Oder ein Kaugummi. Oder ein Kondom».

Die Kiosktexte funktionieren denn auch nach diesem Prinzip der Unmittelbarkeit. Sie passieren im Jetzt, nah am Gelebten. Haenni liess sich inspirieren von den Menschen, die die Texte in Auftrag gaben und ihren Lebenssituationen, wodurch Texte entstanden, die losgelöst von den Begegnungen wohl nie entstanden wären.

Von salzigen Tagen

«Suppen und andere Beziehungskitts» ist ein Songtext zum Thema Suppe. Angefangen mit «Iii neeii/das isch hönne versauze» reisst Haenni das Thema an und erfasst auf nur zwei Seiten eine Essenz romantischer Beziehungen im Strudel der Alltagsroutine, angefangen bei der Suppe bis hin zum Dessert. Ähnlich wie nach dem Motto Schaatz: was essen wir heute?, nur eben besser, beschreibt sie das ­Dilemma so: «Auso!/ässämer wiiter/auso!/es isch äuä gschiiter/u när?/när schlafemer/u när?/när stöhmer wieder uf/u när schlafemer u när stöhmer wider uf/wi jede sauzig tag».

Fadrina Arpagaus, Dramaturgin am Schauspielhaus Zürich, vergleicht in ihrem Nachwort Haennis Texte mit dem analogen Fotografieren. Schnappschüsse und Momentaufnahmen, die mit der heutigen digitalen Fotografie kaum noch entstehen – ein schiefes Lachen oder zugekniffene Augen werden einfach von der SD Karte gelöscht. Und tatsächlich kommt dieser Vergleich den Kiosktexten nahe: man schlägt eine Seite auf, wie man ein Foto aus den schwarzbraunen Kodak Kuverts zieht, und denkt an eine schöne Erinnerung oder muss auch einfach nur lachen, wenn überraschenderweise ein Text zum Thema «Lurch» auf der Seite steht: Sorry/du gsesch us winen lurch/aber das isch nöd eso schlimm/wil weisch/lurche/die si wiud/die bisse/die züngele/die wächsle vilech sogar d farb/äbe/lurche fägä.»

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