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Franz Kafkas unvollendeter Roman «Der Process» erschien posthum 1925.© Wikimedia Commons
Robert Walser-Zentrum, Bern

«Neugier steht im Vordergrund»

Im «Literaturlabor» von Marianne Wille wird unter professioneller Anleitung Franz Kafkas «Der Process» analysiert. Die Kursleiterin erklärt, wie man besser lesen lernt.

Literaturlabor

Im ersten Kurs des «Literaturlabors», der im Herbst 2019 stattfand, analysierten Sie mit den Kursteilnehmenden drei kürzere Werke von Kafka: «Die Verwandlung», «Das Urteil», und «Brief an den Vater». Nun bieten Sie einen ganzen Kurs zu einem Roman an. Muss man nervös werden?

Nein, überhaupt nicht. Einige Teilnehmende aus dem ersten Kurs schlugen vor, dass wir für einen zweiten Kurs «Der Process» lesen könnten. Sie haben offensichtlich Feuer gefangen für Kafka. Ein Besuch des ersten Kurses ist aber nicht Voraussetzung für den Kurs zu «Der Process».

Im Kurs behandeln Sie an zehn Montag­­abenden während 90 Minuten Kafkas unvollendetes Meisterwerk. Liest man da auch gemeinsam?Nein, gelesen wird jeweils zuhause mithilfe eines Lektüreplans. Im Kurs werden wir einzelne Textstellen vertiefen, und ich möchte den Lesenden
Methoden aufzeigen, wie man Texte erschliessen kann, was ganz allgemein beim Lesen einen Mehrwert erbringt. Wir richten dabei unser Augenmerk nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf formale Merkmale eines Kunstwerks.

Es bleibt also viel Zeit zum Diskutieren?
Unbedingt. Es wird jeweils am Anfang kurze Inputs von meiner Seite geben, aber ich möchte natürlich, dass die Teilnehmenden nach und nach Freude daran bekommen, ihre Gedanken zum Text zu formulieren. Man braucht definitiv kein Hochschulstudium. Neugier und Leselust stehen im Vordergrund.

Sie selbst haben Germanistik und Philosphie studiert. Gerade zu Kafka gibt es enorm viel Forschung. Erschwert die Fülle von wissenschaftlichen Texten die Analyse von Kafkas Werken?
Niemand kann die Gesamtheit der Forschung überblicken, aber ich bemühe mich, auch nach langen Jahren der Beschäftigung mit Franz Kafka, immer wieder einen neuen Blick auf Werk und Autor zu finden. Der Kurs soll zudem, neben wissenschaftlichen Inputs, auch die persönliche Auseinandersetzung der Kursteilnehmenden mit Kafka fördern. Für die Arbeit mit Kafka gilt aber auch der Satz aus «Der Process»: «Richtiges Auffassen einer Sache und Missverstehn der gleichen Sache schliessen einander nicht vollständig aus.»

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