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Heinrich von Kleist – laut Marianne Wille «modernst» und «radikalst».© ZVG
Robert Walser-Zentrum, Bern

Neu- und wiederentdecken

Texte und Autoren wieder- und neuentdecken. Dieses Ziel verfolgt die Literaturwissenschaftlerin Marianne Wille in ihrem Literaturlabor, einem Leseformat für zehn Teilnehmende. Als nächstes bietet sie zwei Kurse zu Robert Walser und Heinrich von Kleist an.

 

Ein wandernder Beobachter und Kommentator der eine, ein in juristischen und moralischen Fragen Gewiefter der andere – und beide sind sie Aussenseiter, Autoren, posthum zunehmend berühmter. Robert Walser und Heinrich von Kleist sind die Autoren, deren Texte sich die Berner Literaturwissenschaftlerin Marianne Wille in ihrem Literaturlabor mit jeweils zehn Teilnehmenden annimmt. Darin wird neu gelesen, wieder gelesen, diskutiert, es werden Abstecher in die verwandten Künste unternommen. Und: Wille schärft in den zehn Treffen «das Auge für inhaltliche und sprachliche Besonderheiten».

«Im schönsten Sinne subversiv»

Welche sprachlichen Besonderheiten Walser zur Entdeckung bietet, diese Frage bringt Wille ins Schwärmen. Den Stil des Bieler Autors, auf den sie als Studentin 1978 im Kongresshaus Zürich an einer Suhrkamp-Veranstaltung stiess, an der Max Frisch, Uwe Johnson, Ilse Aichinger und Peter Bichsel vorlasen, beschreibt sie so: «beobachtend, beschreibend, witzig, versteckt ironisch und vor allem versteckt rebellisch – gegen den Strich, gegen Erwartungen, im schönsten Sinne subversiv, oft sozialkritisch, ohne erhobenen Zeigefinger, oft prahlerisch in grossen Reden, gehaltenen und nicht gehaltenen, und nicht selten tieftraurig».

Schon bei der Lektüre der grünen Suhrkamp-Gesamtaus­gabe wurde Wille aufmerksam auf die sprachlichen Wendungen wie etwa dessen Wortneuschöpfungen und Helvetismen, die sie als «einmalig und unverkennbar» beschreibt.

Modernst und radikalst

Im Kurs «Robert Walser: Diener und Flaneur» wird dessen zweiter Roman «Der Gehülfe» von 1908 genauer gelesen und diskutiert. Darin hat Walser eine eigene Erfahrung, nämlich die Tätigkeit als Hausangestellter bei einem Erfinder in Wädenswil, zu einem starken Roman verarbeitet, der das unterwürfige Angestellten-Dasein thematisiert. Das beobachtende, kontemplative Flanieren wiederum ist das zentrale Motiv aus der Erzählung «Der Spaziergang», der ebenfalls gelesen wird.

Kleist, von dem Walser übrigens angetan war und über ihn auch geschrieben hat, bezeichnet Wille als «modernsten Autor überhaupt». Auch als «radikalsten Dichter» beschreibt sie ihn. Sein Werk wird zum zweiten Mal im Literaturlabor behandelt. Unter dem Titel «Schuld und Unschuld» werden «Die Marquise von O…» und «Der zerbrochene Krug» gelesen.

www.literaturlabor.com

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