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Vera Urweider badet vor dem Nashornfelsen.© Artjom Avercenko

Inselpost 57

Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist Vera Urweiler nun auf dem Nachhauseweg – und schreibt Briefe.

Pals, 5.7.2021

Lieber Mäthu, lieber Schläppi, lieber Wytti, lieber Kevä, liebs Brüetschli,

ich sitze im Auto meiner Eltern, gerade erst losgefahren nach Palafrugell auf den Markt, und zucke leicht zusammen. Ich bin ganz Ohr. Diese Stimme! Das ist doch … Ich … bin verwirrt. Hier? Im spanischen Radio? Ich bitte meine Mutter, die Lautstärke aufzudrehen. Sie lächelt. Ja doch! Das bist Du, lieber Mäthu, der mir da entgegensingt. Das seid ihr fünf, die ihr da aus dem Radio klingt. Ich merke: Es ist eine CD. Aha.

Meine Eltern haben auf dem Weg nach Spanien euer Album gehört, welches Du, lieber Schläppi, Ätti geschenkt hattest. Ein Stück Biel im Ohr. Tut gut. Ja, ich freue mich sehr, wenn ich euch alle mal wieder sehe. Wenn ich Death by Chocolate mal wieder live erleben darf.

Manchmal, wenn ich ein paar vertraute Klänge hören wollte auf den Kapverden, spielte ich euch ab. Nicht zu viel, sonst bekäme ich Heimweh, dachte ich immer. Aber so eine Prise DBC oder eine Prise Puts Marie, hach! Oder ganz wenig I Made You A Tape, kurz die Stimme meiner Schwester erklingen lassen, dann aber schnell wieder zu den Inselklängen und mich dem Inselleben hingeben. So war das. Aber jetzt, hier in Pals und schon bald in Biel, da kann ich euch im vollen Album geniessen und mich freuen, bald zu Hause zu sein.

Zu Hause bin ich ja auch hier. Als mir Artjom noch auf São Vicente den Bären­felsen zeigte, erzählte ich ihm vom Nashornfelsen in Pals. Schlafend liegt es im Wasser, rührt sich nie von der Stelle. Dieses Bild habe ich oft im Kopf. Schön, dass sich wenigstens Steine nicht so schnell ändern. Denn es war doch skurril, meine Freunde hier nach fast zwei Jahren wieder zu sehen, man wollte sich unbedingt um den Hals fallen, doch irgendwie war da dieses Zögern - Maske, ja/nein, Umarmung, ja/nein - gepaart mit meinem komischen europäischen Festlandfieber (so nennt es mein Vater), das alle zwei Tage wieder aufflammt, der Schnelltest war zwar negativ, aber eben … Zu meinem Geburtstag am Freitag, da fielen die Hemmungen schliesslich und ich wurde zigmal gedrückt und vergratuliert. Das Leben ist schon irgendwie ein anderes momentan. Ich hoffe, dass sich diese Distanzierung, die ja so gar nicht nach Spanien passt, irgendwann wieder auflösen kann.

Liebe Grüsse von der iberischen Halbinsel,
Vera Urweider

 

Vera Urweider schreibt und fotografiert dort, wo sie gerade ist und das, was sie gerade sieht. Nach einer Tanzschule widmete sie sich der Bewegung im Kopf: Sie studierte Medien, deutsche Literatur und Ethnologie in Fribourg und absolvierte die Journalistenschule in Luzern und Hamburg.
Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist sie nun auf dem Nachhauseweg - und schreibt Briefe. Wer mag, schreibt ihr einen zurück: vera.urweider@gmail.com

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