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Vera Urweider in einer Höhlenwohnung bei Orce.© Artjom Avercenko

Inselpost 56

Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist sie nun auf dem Nachhauseweg - und schreibt Briefe. On the Road/Pals, 27./28.6.2021

Liebe Mamma, lieber Ätti,

ich kann euch diesen Brief wohl gleich selbst in die Hand drücken. Bald. Morgen. Denn wenn alles nach Plan läuft, sind wir dann in Pals. Und ihr auch. Ihr glaubt kaum, wie nervös mich das macht. Positiv nervös. Also… ich freue mich wie ein kleines Kind auf den Osterhasen. Oder wie ein treuer Hund auf sein nach Hause kommendes Herrchen – das anderthalb Jahre weg war. Nur war ich es, die anderthalb Jahre wag war. Aber das ist egal. Es waren ungeplante anderthalb Jahre nicht sehen, nicht umarmen, nicht über die Haare streichen. Ich kann es noch immer nicht ganz fassen. Und ich freue mich umso mehr, habt ihr euch entschieden, uns zu meinem schon wieder anstehenden Geburtstag entgegenzufahren.

Jedenfalls sitzen wir gerade im Auto, Artjom hat entschieden, nachdem ich nun zwei Tage im Fieber lag, die letzte Strecke bis Pals durchzufahren. Zehn Stunden. Vorher waren unsere Tages­strecken maximal deren zwei. So fährt er und ich sitze daneben und schreibe. Irgendwo zwischen Orce, Andalusien und Pals, Katalonien.

Orce. Das ist irgendwo zwischen Granada und Murcia. Die letzten zwei Nächte waren wir bei Christian, einem Deutschen, der bei Orce in einer Höhle lebt. Nein, in einem Höhlensystem. Schon auf dem Hinweg von Granada aus staunten wir, wie viele Menschen in ausgebauten Höhlen leben. Das tun Menschen in dieser Region wohl seit über 2000 Jahren. Christians Höhle war eine Zeit lang gar ein Hotel. La Veranda heisst sein Ort. Erst vor fünf Wochen ist er selbst hingezogen und lädt nun Menschen über die Plattform «Urlaub gegen Hand» zu sich ein. Es gibt noch unglaublich viel zu tun in diesen Höhlenwohnungen, die gleichzeitig auch ein Museum sind, da er sein neues Zuhause möbliert und dekoriert übernommen hat. Jeden Tag kann man da auf Entdeckungstour gehen.

Ich bin zwischenzeitlich eingeschlafen und wir sind mittlerweile in Pals angekommen. Was für ein Gefühl, in einem meiner Zuhauses seit Kindesbeinen zu sein. Ich kenne die Strassen und natürlich die Menschen. Es ist nach drei Uhr früh, Wim und Alex stellten noch die Stühle aufeinander und machten Feierabend. Ich musste einfach hinlau-
fen und mich in ihre Arme nehmen lassen. Auch wenn das Bett so noch weiter in die Ferne gerückt wurde.

Jetzt bin ich sehr müde. Darum:
Bis später,

Vera

Vera Urweider schreibt und fotografiert dort, wo sie gerade ist und das, was sie gerade sieht. Nach einer Tanzschule widmete sie sich der Bewegung im Kopf: Sie studierte Medien, deutsche Literatur und Ethnologie in Fribourg und absolvierte die Journalistenschule in Luzern und Hamburg.
Nach ihrer langen Insolation auf den Kapverden ist sie nun auf dem Nachhauseweg - und schreibt Briefe. Wer mag, schreibt ihr einen zurück: vera.urweider@gmail.com

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