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Markus Fischer, Direktor des Botanischen Gartens Bern. © ZVG
Botanischer Garten, Bern

Den Nutzen von Pflanzen sichtbar machen

Bei einem Rundgang durch den Botanischen Garten der Universität Bern erzählt Direktor Markus Fischer, warum es Artenvielfalt braucht und wie der Mensch von der Natur profitiert: «Es ist unsere Lebensgrundlage.»

«Die Mission des Botanischen Gartens ist es, die Vielfalt der Pflanzen und ihre Bedeutung für den Menschen zu vermitteln», sagt Markus Fischer, Gartendirektor und Biodiversitätsforscher. Tatsächlich gibt es im Botanischen Garten der Universität Bern (BOGA) rund 6000 Arten auf zwei Hektaren. Zum Vergleich: In der ganzen Schweiz existieren rund 3000 Arten. Bei einem Rundgang begegnet man der Flora der ganzen Welt. Wir starten in den Alpen. Das sogenannte Alpinum sei ein Highlight des Gartens, so Fischer. Aus Felsen ragt nebst hiesigen Disteln auch allerlei Exotisches. «Wir weiten die Sammlung ständig aus.» Fischer, der in Basel promoviert hat und in Zürich habilitiert hat, ist seit 2010 Direktor des Gartens. Er führt ein Team von zwanzig Leuten, bestehend aus Freiwilligen, Gärtnern und Wissenschaftlern. Pro Jahr finden 200 Programme, für Schulklassen aller Altersstufen, statt. Dabei setze man auf Erlebnisse. Kinder könnten etwa selbst eine Handcreme aus Pflanzen herstellen oder Schokolade machen. «Im Botanischen Garten wird der Nutzen von Pflanzen für den Menschen sichtbar», so Fischer. Beim Denkmal von Albrecht von Haller (1708 – 1777) gerät er ins Schwärmen. «Haller war ein Universalgenie und hat viel zur Pflanzenkenntnis beigetragen.» In seinem Gedicht «Die Alpen» habe er die Schönheit der bis anhin als gefährlich geltenden Bergregionen gewürdigt, so Fischer. Alles andere als taufrisch sehen die Pflanzen im Treibhaus hinter der Haller-Büste aus. «Hier wird eine Steppensituation simuliert», erklärt Fischer. Die meisten Pflanzen seien dort naturgemäss bereits verblüht und würden den Sommer als Samen oder unterirdisch überdauern.

Giftige Gewächse

Bei den Heil- und Nutzpflanzen stösst man auf allerlei Giftiges. «Pflanze des Monats» ist der «Gefleckte Schierling». Die Pflanze sieht harmlos aus. Doch bereits durch eine Berührung kann eine Vergiftung auftreten und wer davon isst, kann innert 30 Minuten eine Atemlähmung erleidern und sterben, wie der Text auf einer Tafel warnt. Wenn man beim Teich anlangt, fällt ein Krebs – möglicherweise ein exotischer Eindringling, wie Fischer sagt, – ins Auge. Dass am Ufer unter anderem seltene Bodensee-Vergissmeinnicht wachsen, hat mit den Wasserstandsschwankungen zu tun. «Die meisten unserer Voralpenseen sind reguliert. Dadurch sind viele dynamische Uferlebensräume verloren gegangen und diese Pflanzen sehr selten geworden», erklärt Fischer. Er selbst betreibt neben ökologischer Forschung auch Politikberatung, um dem Sterben der Artenvielfalt entgegenzuwirken. So ist Fischer einer von weltweit 25 Experten, die im Weltbiodiversitätsrat (IPBES) für die wissenschaftliche Qualitätskontrolle der Politikberatung zur Biodiversität sorgen. Warum das so wichtig ist? «Es ist unsere Lebensgrundlage.» 2020 hätte man das Thema im BOGA, in einer umfangreichen Sonderaustellung in Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei, aufnehmen wollen. Infolge von Corona wurde die Schau nun um ein Jahr verschoben. Doch der Sommer kann im BOGA alleweil genossen werden. Jeden Donnerstag findet etwa die Spoken-Word-Reihe «Mir nähs wies chunnt» statt. Ausserdem steht ein Kindererzähltheater auf dem Programm.


Berns Stadtoase ist nicht nur Teil der Universität, sondern verfügt auch über ein lebendiges Netz mit vielen Partnern. In einem Treibhaus gedeihen gefährdete Pflanzen, die im internationalen Handel an der Grenze konfisziert wurden. «Dieses Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Veterinärwesen entstanden», so Fischer. Im Auftrag der Sendung «Kassensturz» untersuchen Fischer und sein Team in einem Pflanzenbeet Samenmischungen auf ihre Vielfalt. Ab und zu käme ein Filmteam vorbei. Auch die internationale Zusammenarbeit ist wichtig. «Wir betreiben Forschungsprojekte in Tansania, Bolivien, Nepal und China», führt Fischer aus. Im sogenannten Asien-Teil wachsen unter anderem Bambusstauden. Diese seien ein sehr schönes Beispiel einer vielfältigen Nutzpflanze für den Menschen, so Fischer. «Man kann sie essen, aber auch Baugerüste oder Musikinstrumente aus ihr herstellen.»

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