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Anna Stern schreibt über das Abschiednehmen und krampfhafte Erinnern.© Peter Andreas Hassiepen

Helden. Halbbart. Lotto. Eltern. Bieratem

Ein Recherche-Tagebuch und trauernde Freunde: Dorothee Elmiger und Anna Stern sind zusammen mit drei Autoren für den Schweizer Buchpreis nominiert. Die zwei Frauen der Auswahl sind jung, aber ihre Nomination nur halbwegs eine Überraschung.

«Zuerst. vor allen anderen.» Diese Überzeugung, früh zu sterben – ist Dreh- und Angelpunkt in Anna Sterns viertem Roman «das alles hier, jetzt». Nach kurzer Krankheit jung verstorben, hinterlässt Ananke Freunde, deren Trauerprozess, Ohnmacht, Abschiednehmen genauso wie das fast krampfhafte Erinnern behandelt wird. «Schöne scheiße, das alles, nicht, sagt vienna plötzlich in dein linkes ohr, begleitet von bieratem, warm und feucht kitzelt er dein sich sträubendes nackenhaar. darüber hinaus reagierst du nicht».

Stern schreibt konsequent klein, aber beschreibt Grosses, Elementares. Reaktionen auf Unabänderliches werden beschrieben. Zudem nimmt das Buch keine Geschlechterzuweisungen vor. Die Nomination der an der ETH zu Antibiotikaresistenzen forschenden, 30-jährigen Autorin aus Rorschach gilt als halbe Überraschung. Spätestens seit der Auszeichnung mit dem 3sat-Preis in Klagenfurt für den Vorgängerroman gehört Stern gehört, respektive gelesen. Laut der «Republik» ist ihre Literatur «eine Verführung zum langsamen Lesen». Lesen wird Stern gemeinsam mit den anderen Buchpreis-Nominierten, dem Berner Tom Kummer («Von schlechten Eltern»), Charles Lewinsky («Der Halbbart»), Karl Rühmann («Der Held») und Dorothee Elmiger («Aus der Zuckerfabrik») in der Reihe «B-Lesen».

Systemausbruch

Die Nomination Elmigers ist wiederum fast gar keine Überraschung. Ihr dritter Roman ist dreifach nominiert, obwohl er kein wirklicher ist. Respektive weil Elmiger keine Autorin ist, die nach dem Schema X schreibt. Die «FAZ» lobt das Themen umkreisende, Beobachtungen und Überlegungen sammelnde, selbstreflexive, aber entdramatisierte Erzählen der Autorin als «generationelles Statement». Als «Ausbruch aus dem System». So thematisiert sie in diesem «Recherche-Tagebuch» namens «Aus der Zuckerfabrik» das Schreiben an sich genauso wie die ganz grossen gesellschaftlichen Zusammenhänge. Und sie schreibt genüsslich und weise über die «behelfsmässigen Erklärungen, wenn jemand fragt, woran ich arbeite. Der philadelphische Parkplatz (NEW WORLD PLAZA). Das Begehren. Zucker. LOTTO. Übersee.»

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