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Persönlich und aufwühlend: Syam Yousufa erzählt im Historischen Museum an einer Führung von seiner Flucht. © Stefan Wermuth
Bernisches Historisches Museum

«Frauen haben es besonders schwer»

Im Bernischen Historischen Museum führen in «Multaka» Menschen mit Fluchthintergrund durch die Ausstellung und verweben ihre persönlichen oder kulturellen Geschichten mit den Objekten. So auch der Afghane Syam Yousufa.

Veranstaltungsdaten

SO 15.12.2019 15.00
SO 29.12.2019 15.00

«Was glaubt ihr, sind in diesem Museum mehr Frauen- oder Männerfiguren ausgestellt?» – Syam Yousufa, angehender Hotelfachmann, eröffnet die Führung durch das Bernische Historische Museum mit einer Frage. Der 24-jährige Afghane kam vor gut fünf Jahren in die Schweiz und spricht fliessend Berndeutsch. «Das liegt an der Familie, in der ich hier lebe. Sie taten so, als verstünden sie kein Hochdeutsch. Da musste ich es lernen», sagt er. Yousufa ist nicht religiös. Seine Leidenschaft ist der Sport, er läuft jeden Tag zwei bis drei Kilometer. «Bern ist jetzt meine Heimat. Am meisten liebe ich hier die Frauen, auch wenn sie mir manchmal Angst einjagen.» Er lacht. In der Aare zu schwimmen sei ihm das zweitliebste. Yousufa scheint bestens integriert. Doch er besitzt noch immer keine Papiere.

 

Yousufa führt die Gruppe ins Untergeschoss des Museums vor eine Szenerie aus dem Bauernkrieg im 17. Jahrhundert. Sie zeigt eine Frau, die ihr totes Kind im Arm hält, einen Mann mit Holzbein, der Feuer macht und einen weiteren Mann, der sein Gewehr lädt. Dies verknüpft er mit seiner persönlichen Geschichte: Für Frauen und Invalide sei die Flucht besonders schwierig. «Auf dem Boot waren meine Gedanken bei den Frauen. Wir Männer können beispielsweise fast überall unsere Notdurft verrichten – bei Frauen sieht das leider anders aus.» Er erzählt, dass die Frauen in Afghanistan seit 1964 stimmberechtigt seien und wie sie damals, vor der Herrschaft der Taliban, ganz selbstverständlich Zugang zu Bildung und Politik hatten.

Persönliche Knotenpunkte

An den «Multaka»-Führungen öffnen fünf Menschen mit Fluchthintergrund aus Syrien, Eritrea, dem Iran und Afghanistan neue Perspektiven auf die ausgestellten Objekte. Die Guides schlagen kulturelle Brücken und verweben die von ihnen vorgestellten Objekte und Figuren mit persönlichen oder historischen Informationen aus ihren Heimatländern. Ausgestellt seien übrigens fast ausschliesslich männliche Figuren. «Leider», sagt Yousufa.

Events zu diesem Artikel

Worte

Multaka. Geflüchtete zeigen das Museum

Menschen mit Fluchthintergrund laden auf Spaziergängen durch das Bernische Historische Museum dazu ein, Objekte anders zu betrachten, neue Perspektiven zu gewinnen und Gegenwartsbezüge zu knüpfen.  Bernisches Historisches Museum, Bern 15.12.2019, 15.00
Worte

Multaka. Geflüchtete zeigen das Museum

Menschen mit Fluchthintergrund laden auf Spaziergängen durch das Bernische Historische Museum dazu ein, Objekte anders zu betrachten, neue Perspektiven zu gewinnen und Gegenwartsbezüge zu knüpfen.  Bernisches Historisches Museum, Bern 29.12.2019, 15.00

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