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Autor Rolf Hermann liest in Biel.© Valérie Gyger
Le Singe, Biel

Er giesst kein «Bluemets Trögli»

In seinem Lyrikband «In der Nahaufnahme verwildern wir» verwandelt Rolf Hermann die Walliser Gedichte von Rilke zu Naturbetrachtungen dystopischer Art. Die Buchtaufe im Bieler Le Singe wird musikalisch von Oli Hartung und Mathias Schenk begleitet.

Drei Gedichtbände, Spokenwordtexte auf Wallissertiitsch, ein Prosabuch und nun wieder ein Gedichtband. Geschieht das bei Ihnen alles parallel?
Ich komme mir manchmal vor wie ein Gärtner, der allerlei Beete bepflanzt, und immer wieder wächst was. Ein Gedicht, eine Sage auf Wallissertiitsch, eine Erzählung über die Kindheit, ein neues Bühnenprogramm. Bis jetzt ist es immer aufgegangen. Zum Glück.

Nun also wuchs wieder Lyrik.
Die ersten Gedichte entstanden, parallel zu anderem, vor sechs Jahren. Ich kam nur zögerlich voran. In den letzten anderthalb Jahren habe ich mich dann auf die Fertigstellung dieses Bandes konzentriert.

Sie haben für diesen Gedichtband mit Zyklen gearbeitet. Eine neue Form 
für Sie?
Ja, das ist ziemlich neu für mich. Überhaupt die ganze Herangehensweise. Ich bin von vier Gedichtzyklen ausgegangen, die Rainer Maria Rilke im Wallis geschrieben hat. Aus diesen sind dann meine Zyklen gewachsen. So entstand etwa aus Rilkes Obstgarten-Reigen mein «Störgarten». In diesem suche ich eine Landschaft auf, die mir seit Kind vertraut ist und die in den letzten Jahrzehnten radikal umgestaltet wurde. Wiesen, Äcker und Felder wichen Gewerbe- und Industriezonen, einem Golfplatz und einer Autobahn. Was macht das mit uns, wenn eine Landschaft, die wir lieben, entstellt wird?

Die Natur spielt eine grosse Rolle.
Ja. Das trifft auch auf mein erstes Langgedicht zu. Da schlendert die Ich-Figur über 50 Seiten durch eine leergefegte Stadt und ist überwältigt von der Schönheit der Natur, die zurückkommt und überall zu spriessen beginnt. Es sind gleichzeitig dystopische Szenarien, aber auch Momente tief erfüllter Einsamkeit.

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