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Weiss, wie man sich als Selbstständige in ein «Budäässä» schmuggelt: Stefanie Grob.© Ayse Yavas
Café Fleuri, Botanischer Garten Bern

Eine Ode an das «Ä»

Die Literatin Stefanie Grob veröffentlichte mit «Budäässä» ein Buch, das ihre Liebe zum Berndeutschen mit amüsanten und originellen aus dem Leben gegriffenen Texten und Gedichten zum Ausdruck bringt.

Die Bernerin Stefanie Grob schert sich in ihrem neusten Buch «Budäässä» nicht um die verbreitete Schreibweise im Berndeutschen, lieber schreibt sie es nieder, wie man es auch ausspräche. Ihr offensichtlicher Lieblingsbuchstabe «Ä» ist omnipräsent. Man kommt nicht umhin, sich die Gedichte und Kurzgeschichten von Grob, «Zyt­lupe»-Sendungsmacherin auf SRF1, selbst vorzulesen, oder noch besser dem Gegenüber. Die Gründe dafür sind vielfältig: Das breite, mit vielen Um­­lauten bestückte Berndeutsch. Oder die Schrift, die bei einem Ausruf plötzlich fett wird («Mir wei Pommes Frittes!») oder die Grösse der Buchstaben, die etwa bei einem «fffffPPAAFF» zur Mitte des Wortes hin grösser werden.

Härtetest: Ikea

Die für Augen, Ohren und Herz wohltuende Textsammlung ist aufgeteilt in die vier Jahreszeiten, den Auftakt macht der Frühling. Hier handeln die Texte von der erwachenden Natur («Dr Fuchs schisst ä längä Fuchsbandwurm / Schön a Fuäss vom Fernsehturm»), aber auch vom Frühling in Paarbeziehungen, wie etwa in «IKEA». Dort ist von zwei Frischverliebten und dem Pärchen-Härtetest Nummer eins die Rede: dem Gang in die Ikea. Erst wenn man es gemeinsam durch diesen Hindernisparcours schaffe, ohne dass der angehende Ehemann vom dreitürigen «Färvid»-Schrank erschlagen werde oder sich die Braut in spe mit dem Rüst­­messer «Fimo» die Pulsadern aufschlitze, dürfe man der Beziehung wahren Glauben schenken. «Aso we gnuä Gäud umä sig für di erschti gmeinsami Wohnig iizrichtä, göng sie im Fau i Möbu Pfischter.» Oder über Kinder, die ein «Gomfi»-Massaker veranstalten: «Täterschaft: circa 86 Zentimeter gross, rundi Backä, redt brochä Dütsch.»

Dann kommt der Sommer, in dem Ruedi rudert und einige Seiten später immer noch rudert oder Grob den Klima­wandel thematisiert. Darauf folgt der «Herbstblues», inklusive «Loubbläser-Massaker». Dort findet man auch die Geschichte über Eliane, die Coop-Mitarbeiterin mit den kurz-orangen Haaren, die beim Scannen der Waren anhand des Einkaufsverhaltens mehr über ihre Kunden registriere als jede Supercard. Auf den Herbst folgt der Winter mit einem «Rudel Samichlöis und Maria im Gfängnis», dem kollektiv-schweizerischen, über die Festtage angefressenen Bauchspeck, oder einer Anleitung, wie man sich als Selbstständige in ein «Budäässä» schmuggelt.

Stefanie Grob «Budäässä», 2020
Der gesunde Menschenversand

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