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Autor Donat Blum hat kurzum ein Online-Literaturfestival aus dem Boden gestampft.© Marvin Zilm

Eine Lesung für alle

Dank Viral, dem «Online-Literaturfestival in Zeiten der Quarantäne», entdeckt man neue Literatur vom Sofa aus. Initiant Donat Blum spricht über das neu entstandene Projekt.

«Ich bin froh, dass mich dieses Festival jetzt gerade so beschäftigt», meint der Schaffhauser Schriftsteller Donat Blum, «es hilft, etwas Sinnvolles zu tun». Noch am vergangenen Sonntagmorgen war es nur eine Idee: Blum, der zurzeit in Berlin lebt, postete auf Facebook den Vorschlag, in Zeiten der Selbstisolation einfach virtuelle Lesungen auf dem sozialen Netzwerk anzubieten, zu denen sich alle Interessierten zuschalten können. «Drei Stunden später stand das Festival eigentlich schon». Gemeinsam mit seinen Kolleginnen, den Lyrikerinnen Kathrin Bach und Melanie Katz, veranstaltet Blum nun fast jeden Abend Live-Lesungen auf Facebook. Bereits über 100 Autorinnen und Autoren haben sich bei Viral gemeldet, um ebenfalls teil­zunehmen. Pro Abend stellen bis zu sechs Personen in ihren jeweiligen Stuben neue und ältere Texte vor, meistens im Umfang einer halben Stunde.

Verteilt in ganz Europa

Die deutschsprachigen Autorinnen und Autoren, welche bei Viral in dessen erster Woche eine Plattform erhielten, sind in ganz Europa verteilt. So las die Schriftstellerin und Journalistin Ronya Othmann aus ihrer Wohnung in Leipzig, während die Autorin Kathrin Schadt aus Barcelona virtuell präsent war. Was sie alle eint, ist die Sprache, und selbstverständlich der Wunsch, weiterhin Literatur mit anderen Menschen zu teilen. Sobald eine Lesung beginnt, kann das Publikum im Sekundentakt den Event kommentieren. Das Festival gewinne mit jedem Tag an Zuschauenden, meint der Initiant. Blum betont, dass er es wichtig findet, weiterhin kreativ tätig zu sein: «Nur Netflix konsumieren geht ja auf Dauer auch nicht».

Natürlich ist der Effort von Blum, Bach und Katz auch eine Reaktion auf den Zusammenbruch des Literatur­betriebs, wie wir ihn bis anhin kannten. So ist in Thun zum Beispiel das Literaturfes­tival Literaare abgesagt worden, und auch das Berner Lesefest Aprillen fällt dieses Jahr aus. Ein Ersatz für diese Veranstaltungen ist Viral vielleicht nicht, aber dafür eine Vergewisserung, dass gut gewählte Worte nach wie vor die Runde machen.

www.facebook.com/glitteratur
Daten werden fortlaufend bekannt gegeben, jeweils ab 19 Uhr

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