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Sein Buch ist intim: Simon Froehling. © Bilgerverlag, Dieter Kubli
Villa Bernau und Queerbooks, Bern

Durst nach Leben

Ein Mann Ende 30, der in Sex, Drogen, in der Kunst, in Zürich und anderen Orten der Welt nach sich selbst sucht: Autor Simon Froehling kommt mit «Dürrst» nach Bern.

Schonungslos intim ist «Dürrst», der zweite Roman von Simon Froehling. Bereits in dem Namen steckt einiges: eine Anspielung auf den Familien
namen der Titelfigur, aber auch auf das, was sein privilegiertes, doch emotional verdorrtes Aufwachsen im Zürcher Seefeld in ihm nie zu stillen vermochte: den Durst nach Liebe etwa. Aber auch die Gefahr der Abhängigkeit schwingt mit.

Der Protagonist, schwul, schön, Künstler, feierte früh Erfolge, verschwand von der Bildfläche, verlor sich selbst, mehr als einmal, nur um nun, mit Ende 30, in seiner Erzählung sein Leben in die Hand zu nehmen. So richtet er zu Beginn des Romans den Blick vom Balkon seiner Zweitwohnung in Athen in die gleissende Abendsonne und sagt sich, dass er nun bereit sei für die Liebe – und fürs Leben. Und für den Blick zurück.

Cruising, Kairo, Kunst

In rasch geschnittenen Wechseln zwischen Gegenwart und dem, was zurückliegt, entsteht der Abriss einer Biografie: die wohlstandsverwahrloste Kindheit, frühe Cruising-Erfahrungen in der Bäckeranlage, Rebellion und das Leben in der Zürcher «Bsetzi», die erste Liebe, Sex, viel Sex, Drogen, viele Drogen, das Kunstumfeld, Kairo, Berlin, Edinburgh – und immer wieder: die Psychiatrie und Medis, wenn die Depression überhand gewinnt, diese dunkle Seite seiner bipolaren Störung, die die Romanfigur mit Autor Froehling teilt. So schrieb Froehling etwa in der «Republik» über sein Aufwachsen und Leben mit der Erkrankung.

Doch am Beginn und Ende des Romans ist die Hoffnung auf Liebe und einen Wiederanfang in der Kunst. «Dürrst» knüpft an Fritz Zorns «Mars» an, verneigt sich aber auch vor der schwulen Autofiktion eines Édouard Louis und der Prosa James Baldwins.

Froehling schrieb in der Du-Perspektive, erlaubt damit dem Protagonisten, auf Distanz zu seinem Selbst (und wohl auch ihm als Autor) zu gehen, was aber umso mehr Nähe erzeugt. Nun liest er in Bern aus dem Roman, der für den Schweizer Buchpreis nominiert wurde.

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