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Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur des Kantons Bern. © ZVG

«Diese Fragen treiben uns alle um»

Der gebürtige Argauer, Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur des Kantons Bern, lebt heute in Bern. In «normalen» Zeiten ist er an Kunstvernissagen, Konzerten oder in Theatern anzutreffen. Im Moment aber kümmert er sich um ganz andere Dinge, wie Ausfallentschädigungen, Gesuche und die Zukunft der Kultur im Kanton Bern.


Hans Ulrich Glarner, nach zwei Monaten Stillstand kommt die Kultur «süferli» wieder in Fahrt. War das Amt für Kultur in dieser Zeit des Lockdowns ebenfalls zur Untätigkeit verdammt? Oder gab es genug zu tun? Oder gar mehr als sonst?
Für uns war es eine sehr intensive Zeit. Die Unterstützungsmassnahmen für den Kultursektor mussten innert kürzester Zeit umgesetzt werden. Nebst dem Tragen der Verantwortung für den Vollzug im Kanton Bern, leite ich die Delegation der Kantone. Deshalb bin ich in engem Kontakt mit meinen Amtskolleginnen in den 25 anderen Kantonen und mit dem Bund.

 

Waren Sie und die Mitarbeitenden im Amt für Kultur im Homeoffice? Und sind inzwischen wieder alle zurück in ihren Büros?
Die Mehrheit ist bis zum 8. Juni im Homeoffice, was sehr gut funktioniert. Einige Aufgaben – vor allem im Archäologischen Dienst – können jedoch nur analog wahrgenommen werden. Ich selber bin tagsüber im Büro, Homeoffice mache ich an den Wochenenden.

Der Bundesrat hat im Lockdown für die Kultur insgesamt 280 Millionen Franken gesprochen. Wieviel davon ging an den Kanton Bern? Wieviel von diesem Geld hat der Kanton bereits verteilt? Reicht das Geld für alle, die es nötig haben?
Für die erste Phase stehen uns für Ausfallentschädigungen 30 Millionen Franken zur Verfügung, 15 Millionen vom Bund und 15 Millionen hat der Regierungsrat des Kantons Bern bewilligt. Bis zum 18. Mai konnten wir bereits gut 1,1 Millionen zusprechen. Noch kann keine verlässliche Prognose für den weiteren Verlauf gemacht werden.

Neben den nicht-rückzahlbaren Ausfallentschädigungen konnten Kulturbetriebe ja auch noch Gesuche für rückzahlbare Darlehen stellen. Beantragen Kulturbetriebe zusätzlich auch Darlehen?
Ausfallentschädigungen werden ganz klar bevorzugt. Zu den genannten 30 Millionen Franken kommen noch die Bundesmittel für rückbezahlbare Darlehen, die aber kaum nachgefragt sind und deshalb nicht über den
20. Mai hinaus angeboten wurden.

Der Bundesrat hat die Geltungsdauer seiner Unterstützung bis Mitte September verlängert – mehr Geld gibt es jedoch nicht. Dieser Entscheid hat in der Kulturszene für Unverständnis gesorgt. Wie geht der Kanton damit um?
Der Bundesrat hat am 13. Mai zusätzlich 50 Millionen Franken für Ausfallentschädigungen bewilligt, die vorher für Soforthilfen reserviert waren. Die Kantone sind nun gefordert, ihrerseits nochmals 50 Millionen Franken zu sprechen. Wenn das überall klappt, stehen insgesamt
100 Millionen zusätzlich für Ausfallentschädigungen zur Verfügung. Damit kann sehr viel bewirkt werden.

Immerhin überwiegt in der Szene der Eindruck, dass in der Anfangsphase unbürokratisch und grosszügig vorgegangen wurde. Unsicherheit, ja gar Angst, herrscht jedoch die Zukunft betreffend. Was, wenn eine zweite Welle kommt? Was, wenn die Corona-Regeln, etwa der Zwei-Meter-Abstand zwischen Künstlern und Besuchenden auch in Zukunft eingehalten werden müssen?
Das sind tatsächlich Fragen, die uns alle umtreiben und auf die es noch keine Antworten gibt. Viele Kulturschaffende und Kulturinstitutionen haben spontan sehr kreativ auf die enormen Herausforderungen reagiert. Doch auch in den kommenden Monaten wird vieles nicht oder nur in veränderter Form stattfinden können. Ich hoffe auf das Publikum, dass es ebenso experimentierfreudig und anpassungsfähig wie die Schaffenden sein wird.

Konkret: Werden die Subventionen auch nächstes Jahr ausbezahlt, selbst wenn die Kultur Corona-bedingt da und dort immer noch nur teilweise oder gar nicht stattfinden kann?
Der Kulturkanton Bern war bis jetzt ein verlässlicher Partner. Ich hoffe, dass er dies auch unter den erschwerten Bedingungen bleiben kann. Wir werden aber alle – Kulturschaffende, Publikum und Förderer – ausserordentlich gefordert sein, uns den Veränderungen anzupassen.

Ganz privat: Was tun Sie, der Sie sonst regelmässig an Kunstvernissagen, Lesungen, Konzerten oder im Theater anzutreffen sind, nun an den vielen freien Abenden?
Ich habe spielerisch mein Französisch wieder etwas aufgemöbelt und endlich wieder mehr Zeitung gelesen. Doch der Arbeitstag zieht sich oft in den Abend hinein, was mich aber nicht stört: Die Motivation ist gross, in dieser Krisenzeit sinnstiftend wirken zu können.

Hans Ulrich Glarner wurde 1959 in Wildegg AG geboren und lebt heute in Bern. Er studierte Germanistik, Geschichte und Kulturmanagement in Zürich und Salzburg. Er arbeitete als Kulturredaktor beim «Aargauer Tagblatt», war Leiter des Stapferhauses in Lenzburg und von 2002 bis 2013 Kulturbeauftragter des Kantons Aargau. Seit Herbst 2013 ist er Vorsteher des Amts für Kultur des Kantons Bern.

www.erz.be.ch

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