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Auch sie erlegte Bernard von Wattenwyl fürs Museum: die Kleinen Kudus. © Naturhistorisches Museum Bern, Schaeublin
Naturhistorisches Museum, Bern

Die Wildnis hinter Glas

Auch das Naturhistorische Museum Bern profitierte von der Ausbeutung anderer Länder. Im Podiumsgespräch «Grosswildjagd und Kolonialgeschichte: Welche Rolle spiel(t)en wir?» hinterfragt es die Entstehung seiner Dioramen «Tiere Afrikas».

Ein Männchen und zwei Weibchen, ihr wunderschönes braunes Fell ist mit vertikalen, weissen Linien durchzogen, alle tragen Hörner auf dem Kopf. Die Antilopen schauen neugierig zwischen dem Bambus hervor, wer sich in ihr Zuhause geschlichen hat. Doch die einzigen, die tatsächlich etwas sehen, sind die Besucher*innen. Die Östlichen Bongo hinter dem Glas leben nicht mehr. Es sind Dermoplastiken, «ausgestopfte» Tiere, die in den Dioramen «Tiere Afrikas» im Naturhistorischen Museum Bern (NMBE) gezeigt werden. Geschossen wurden sie 1924 von Bernard von Wattenwyl in Kenia. Jäger wie er und seine Tochter Vivienne, die im Auftrag des Museums über 130 Tiere erlegten, profitierten unweigerlich von kolonialen Machtstrukturen, erklärt Stefan Hertwig vom NMBE.

Dieses Jahr frischte das NMBE die Dioramen auf. Die Tiere selbst sind noch dieselben, aber die zuvor eher heroisierende Darstellung des Vater-Tochter-Gespanns wich einer Begleitdokumentation, die Auskunft über die Entstehungsbedingungen und die aktuelle Situation der Wildtiere gibt. So steht bei den Östlichen Bongo, dass sie stark vom Aussterben bedroht seien und die Männchen als Einzelgänger lebten. Also nicht so, wie es im Diorama dargestellt wird. Hertwig sagt dazu: «Man idealisierte die Darstellungen vor 90 Jahren.» Begleitet wurde die Neueinordnung von einer Podiumsreihe, deren letzte Runde nun zusammenkommt. Mit Stefan Hertwig diskutieren bei «Grosswildjagd und Kolonialgeschichte: Welche Rolle spiel(t)en wir?» die Historikerin Gesine Krüger, der Umweltbiologe Solomon Sebuliba und Antoine Spillmann, Vorsitzender der Schweizer Sektion des Safari Club International. Die Organisation engagiert sich für ein Recht auf Jagd und setzt heute auf verantwortliche Grosswildjagd, wie es auf der Website heisst.

Die Faszination der Dioramen hält an: «Die Geschichte des Hauses ist untrennbar von der Geschichte der Dioramen», so Hertwig. Umso mehr arbeite man letztere nun auf, unter anderem mit der Podiumsdiskussion. Bernard von Wattenwyl selbst wurde übrigens von einem Löwen getötet. Auch eine Art von Geschichtsbewältigung.

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