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Der Autor von «Der Vorleser», Bernhard Schlink, präsentiert seinen Erzählband.© Alberto Venzago, Diogenes Verlag
Zentrum Paul Klee, Bern

Die «schuldlose Schuld»

Altersmonologe hin oder her – der deutsche Bestseller­autor Bernhard Schlink befasst sich mit Erzählungen über Liebe und Schuld. Er liest im Zentrum Paul Klee aus seinem neusten Erzählband «Abschiedsfarben».

Bernhard Schlink ist ein wenig der deutsche Martin Suter. Regelmässig auf den Bestsellerlisten, mehrfach übersetzt und verfilmt und: Je länger im Betrieb, desto mehr wird ihm ­teilweise vorgehalten, nach demselben Rezept zu verfahren und am Altherren-Kitsch vorbeizuschrammen. In den Kritiken wird sein dritter Erzählband «Abschiedsfarben», den Schlink im Zentrum Paul Klee präsentiert, jedoch schon als «unangestrengtes Alterswerk» betitelt («Deutschlandfunk Kultur»).

 

Das Urteil den Lesenden überlassen

Einerseits weil der Jurist und Autor darin seine klugen Verhandlungen von Schuld und Schuldfähigkeit erneut aufgreift – die Aargauer Zeitung spricht gar vom «Motiv der schuldlosen Schuld». Man könnte auch vom Verfahren Schlinks sprechen, dass er es oft dem Leser überlässt, ein Urteil selbst fällen zu können. Andererseits ist in seinen Texten immer auch das Thema der deutschen und privaten Vergangenheitsbewältigung präsent. In diesem Fall sind es auch die Frauen und Mütter und mit ihnen die Liebe mit ihrem lustvollen aber auch zerstörerischen Ausmass.

Die neun neuen Erzählungen machen da keine ­Ausnahme. Schlink präsentiert Geschichten über verspätete Schuld­eingeständnisse eines Stasi- Verrats, komplizierte Bruder-Verhältnisse, Samenraub, Lebensbilanzen und die jugendliche Entdeckung des Frauenkörpers. Das Beschreiben zwischenmenschlicher Stimmungen und deren feinen Verrüttungen, darin ist Schlink solide.

Was wiederum den Kitsch angeht, sind die Geschmäcker verschieden. Die «FAZ» spricht von einem «Konzeptalbum, reich gefüllt an Tränen und Krimielementen», von etwas zu viel Selbstmitleid, «Altersmonologen als faszinierende Gemälde männlicher Seelenlandschaften» und einem «leicht verstörenden» Frauenbild. Manfred Papst wiederum lobt in der «NZZ» Schlinks «schlackenlosen» Stil.

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