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Vera Urweider (33) auf dem Balkon, Lara Thurnherr (19) im Kinderzimmer, Vreni von Känel (66) im Wohnzimmer (im Uhrzeigersinn).© ZVG

«Die herzhafte Umarmung fehlt»

Einige Veranstaltungen des Vereins «und – das Generationentandem» finden digital statt, das «Zuhörbänkli» etwa wird zum «Zuhörtelefon». So trafen sich auch Co-Präsidentin Vreni von Känel und Texterin und Illustratorin Lara Thurnherr online mit der Kultur­agenda zum Interview.

Wo befinden Sie sich gerade?
Vreni von Känel: Zu Hause in Hünibach, im Wohnzimmer.

Lara Thurnherr: In meinem Zimmer bei meinen Eltern in Sigriswil.

Wo wären Sie, wenn nicht gerade dieser Ausnahmezustand herrschen würde?
LT: Ich studiere Geschichte in Bern, wo ich unter der Woche wohne. An den Wochenenden bin ich hier.

Ist es ein komisches Gefühl, plötzlich wieder ganz bei den Eltern zu wohnen?
LT: Ich merke gar nicht so viel davon. Meine Eltern arbeiten beide tagsüber ausser Haus. Das Studium läuft relativ normal weiter, die Vorlesungen sind alle online und in meinem Fach muss ich sowieso viel selber lesen.

Seit dem 1. Dezember steht am Bahnhof Thun ein gelbes «Zuhörbänkli». Eine Initiative Ihres Vereins «und – das Generationentandem». Da man sich zurzeit nicht treffen darf: Wo kann man nun erzählen? Wo wird einem zugehört?
VvK: Beim «Zuhörtelefon». Wir haben eine Nummer eingerichtet, da kann man anrufen, wenn man plaudern will. Einige junge Mitglieder rufen auch die älteren an und fragen, wie es ihnen geht. Das wird sehr geschätzt.

«und» will junge und alte Menschen miteinander vernetzen. Mit Veranstaltungen, Treffen oder Ausflügen – was könnt ihr in der jetzigen Zeit alles bieten?
VvK: Wir treffen uns digital. Via Zoom bieten wir Lesungen und Vorträge an, oder Treffen, wie die «und»-Runde, eine Gesprächsrunde jeweils zu einem bestimmten Thema.

Wie rege werden diese Online-Veranstaltungen besucht?
VvK: Sehr gut. Wir sind manchmal sogar mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer als bei normalen Treffen. Ich glaube, gerade jetzt tut den Menschen der Austausch mit anderen besonders gut.

Gibt es eine Veranstaltung, auf die Sie sich selber besonders freuen?
LT: Nicht unbedingt, ich bin generell gwundrig. Aber ich bin gespannt auf unser Redaktionstreffen, ich bin ja Mitglied des «und»-Magazins. Die Sitzungen sind immer sehr lustig.
Normalerweise laufen wir im Raum rum und brainstormen, arbeiten mit Chläberli und so. Das ist gerade auch durchs Rumlaufen jeweils sehr dynamisch. Ich bin gespannt, wie das online wird, wenn wir vor den Bildschirmen sitzen. Vielleicht laufen wir alle mit dem Handy durch unsere Zimmer.

Bei Zoom gibt es eine Funktion, mit welcher man jemanden stumm schalten kann …
LT: …  das wünscht man sich im normalen Leben ja manchmal auch (lacht) …

… seid ihr euch schon mal so auf den Keks gegangen, dass jemand stumm geschaltet wurde?
LT: Nein. Bis jetzt zum Glück noch nicht.

Eine Veranstaltung von «und» heisst «Wie geht es dir?». Ein Ort des ehrlichen Austauschs. Ganz ehrlich, wie geht es denn Ihnen beiden?
VvK: Gut. Wir haben eine tolle Nachbarschaft, ich kann spazieren gehen, im Garten arbeiten, und meine Arbeit für «und» habe ich ja schon vorher von zu Hause aus gemacht. Was mir aber wirklich fehlt, ist eine herzhafte Umarmung, wenn ich Freunden begegne.

LT: Im Vergleich zu anderen geht es mir super. Wir haben auch einen Garten, ich kann weiterstudieren und ich arbeite nicht in einem extrem stressigen Beruf, wie im Gesundheitsbereich oder so. Ich erfahre das alles nur aus der Ferne. Es ist zwar unangenehm, aber ich schätze mich glücklich.

Unangenehm?
LT: Ja, auch ich würde natürlich gerne meine Freunde treffen. Und wenn mein Bruder und ich für ein paar Leute hier im Dorf einkaufen gehen, ist es halt schon sehr leer. Aber genau diesen solidarischen Zusammenhalt erlebe ich dann wieder als sehr positiv.

VvK: Diese Solidarität erlebe auch ich in meiner Nachbarschaft.

Bestellen Sie auch online?
VvK: Nein. Gewisse Prinzipien will ich aufrechterhalten. Wir haben eine Molkerei, und weil ich nicht auf den Markt kann, gehe ich eben zum Bauern. Ich will die lokalen Betriebe unterstützen. Und glücklicherweise haben wir auch eine Tiefkühltruhe, gefüllt mit Produkten aus dem Garten.

In normalen Zeiten bieten bei «und» junge Menschen den älteren auch eine Technikhilfe an. Wurde die nun mehr beansprucht, da alle Veranstaltungen übers Internet stattfinden?
VvK: Eher weniger. Je nach Problem müsste man ja zu den Menschen nach Hause, das geht jetzt nicht. Das Installieren der App ist aber sehr einfach und wir haben eine Anleitung auf der Webseite. Wenn was ist, kann man dennoch über dieselbe Nummer wie für das Zuhörtelefon auch eine telefonische oder digitale Technikhilfe erhalten.

LT: Auch die Vermittlung für die Einkaufshilfe geht über diese Nummer. Es ist eigentlich unser Corona-Telefon.

Corona-Telefon: 079 836 09 37

Die nächsten Zoom-Veranstaltungstermine:
• Mi., 8.4., 20 Uhr: «und»-Runde:
«Was ist mir wichtig?»
• Sa., 11.4., 10 Uhr: «und»-Runde:
«Schnell und langsam konsumieren»
• 24.4., 19.30 Uhr: «Wie geht es dir?»

Generationentandem/zuhören

 

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