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Grossstadtneurosen: Simone F. Baumanns Protagonistin versteht die Welt nicht.© Simone F. Baumann / Edition Moderne

Bilderbuch der Angst

Die Solothurner Literaturtage sind aufs Bild gekommen: Neben bekanntem Schreiben gibt es die Graphic-Novel von Simone F. Baumann zu entdecken. Störeffekt erwünscht. Es gibt sie, die Veranstaltungen mit Publikum vor Ort. Das kommende Wochenende steht in Solothurn bereits zum 43. Mal ganz im Zeichen der Literatur. Noch bis vor Kurzem wurde jede Lesung der Solothurner Literaturtage, jede Diskussion und jedes Konzert als Online-Event geplant. Nun gibt es doch ein paar ausgewählte Veranstaltungen vor Ort, Leckerbissen für die Kulturhungrigen nach der langen Live-Abstinenz. Sei es ein Spokenword-Auftritt, eine Lesung mit Musik, ein Konzert, ein Gespräch oder eine Graphic-Novel-Präsentation – es ist erlebbar.

Vertraktes Innenleben

Die Graphic-Novel ist eine neue Sparte an den Solothurner Literatur-
tagen. Mit Simone F. Baumann ist eine junge Künstlerin mit ihrem Erstlingswerk «Zwang» eingeladen: Ein Comicband aus der Edition Moderne, in welchem Baumann mit monotoner Fleissarbeit und feinem Strich in Schwarz und Weiss den Horror des Erwachsenwerdens in Bilder fasst. Vom Land kommend, ist die Protagonistin vom Moloch «Stadt» überfordert. Der Schwierigkeiten nicht genug, dreht sich alles um Neurosen, Zwangsstörungen und Depression; im ländlichen Zuhause verbleiben die Eltern, die nichts verstehen. Baumann legt in der biografisch inspirierten Arbeit eine erschütternd ehrliche Sicht auf das komplizierte Innenleben einer jungen Frau vor. «Zwang» präsentiert Themen, über welche zu wenig gesprochen – oder gezeichnet – wird. Baumanns Figur ist zwar in der Stadt verloren, doch gewinnt sie eine wohltuende Distanz zur Aussenwelt. Jan Bachmann, auch er Graphic-Novel-Künstler, eröffnet am Freitag mit seiner musikalischen Lesung aus «Der Kaiser im Exil», die Vor-Ort-Veranstaltungen. Auch sein Band wird von der Zürcher Edition Moderne verlegt.

Lob der Einfachheit

Neben den «Neuen» sind natürlich auch gestandene Autoren und Autorinnen wie Elke Heidenreich, Pedro Lenz oder der Berner Beat Sterchi zu Gast. Letzterer zelebriert in «Capricho», ganz im Gegensatz zu Baumann, die Einfachheit der Dinge. 38 Jahre nach seinem ersten fulminanten Roman «Blösch» beschreibt er nun schlicht und einfach, ohne Schnörkel, die Geschichte eines katalanischen Dorfes.

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