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An der Führung «Damenwahl» wird auch aufgezeigt, wie der Frauenraum entstand. © Jürg Curschellas
Treffpunkt: Bernabrunnen, Bern

Bernerinnen wählen mit

Auch 50 Jahre danach ist «Damenwahl» in der Schweiz und Bern noch ein Thema. Ab sofort auch in einem neuen Stadtrundgang von StattLand.

Das Frauenstimmrecht ist ein düsteres Kapitel der Schweizer Geschichte, die sich immer ihrer humanitären Tradition, Neutralität und direkten Demo­kratie gerühmt hat. So düster, dass das Thema für eine Oscar-Nomination getaugt hat. Und sie dient auch für einen neuen Stadtrundgang des Vereins StattLand: «Damenwahl – 50 Jahre Frauenstimmrecht in Bern».

Die Gemeinde Bern hat immerhin schon am 22. August 1968 beschlossen, das Frauenstimm- und Wahlrecht einzuführen. Dennoch ist dies Teil einer traurigen Schweizer Statistik: Das Frauenstimmrecht wurde 1917 in Russland, 1919 in Deutschland, 1920 in den USA, 1931 in Spanien, 1944 in Frankreich, 1950 in Indien, 1963 im Iran und erst 1971 in der Schweiz ­angenommen. Zum Vergleich: Vierzig Jahre nach Spanien führte die Schweiz das Frauenstimmrecht ein – und vierzig Jahre nach der Schweiz tat Saudi­arabien dasselbe. Ach und da gab es noch das kleine Appenzellerländle, das sich erst 1990 per Bundesgerichtsentscheid zum Frauenstimmrecht zwingen liess.

 

Frisur statt Dossierfestigkeit

Das Kapitel Frauenstimmrecht gehört zwar mittlerweile der jüngeren Vergangenheit an, muss aber definitiv diskutiert werden. Denn es liefert auch viele Erklärungen, warum noch heute je höher im Kader, desto weniger Frauen sitzen – mit geringerem Gehalt. Oder warum man in den Medien lieber über Frisuren von Politikerinnen statt über deren Dossierfestigkeit berichtet. Oder warum niemand eine Berner Strasse kennt, die nach einer Frau benannt ist.

Die erste Baudirektorin

Wie dem auch sei: StattLand widmet sich der Berner Version des ­Themas, und zwar mit einem neuen Rundgang voller schauspielerischer Interventionen und Hintergrundwissen. Die schweiz­weit erste Baudirektorin Ruth Im Obersteg Geiser, aber auch die Frauenstimmrechtlerin und spätere Gross­rätin Marie Boehlen kommen vor. Ebenso das lange ausserparlamentarische Engagement für eigene (Frauen-)Räume wie beispielsweise in der Reitschule. Der neue Rundgang kontextualisiert verdienstvollerweise das Thema auch mit aktuellen Themen und Fakten zu Teilzeit-, Kinder- und Hausarbeit und weiblicher Mi­gration.

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