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© Hal Gatewood/Unsplah

Aus dem Corona-Lexikon #6

Eine Krise hat immer auch kreative Konsequenzen. Etwa punkto Wortschöpfungen. Zur Meisterung der neuen Alltagssprache stellen wir ein kleines Lexikon zusammen.

Möglichkeitsraum, der

Ausdruck urbaner Nachhaltigkeit, steht in Kontrast zu geraden, rigiden Gebäudestrukturen. Bezeichnet einen Ort oder Raum (siehe dazu auch Artikel «Bitte ja nicht verweilen!» in der «WOZ»), meist öffentlich, wo alles passieren können soll (siehe auch: Kaninchenbau, «Alice im Wunderland»). Davon Gebrauch gemacht wird oft von Strassenfestivals, Open Airs, Konzerten und andere Formen des Beisammenseins im öffentlichen Raum. Besonders sichtbar geworden während Corona­krise auf Quartierspaziergängen als Fluchtmöglichkeit aus der Soft-Isolation. Bekanntes Beispiel: Private Balkone, die zu Aussenbühnen und politischen Mini­schau­plätzen werden. Sammel­begriff für unterschiedlichste Zukunftsszenarien, im Zusammenhang mit der Corona­krise 2020. Auch: Synonym für aufgezwungene Chancen für geschlossene Betriebe oder Kunstschaffende.

Covidiot, der

Person, die sich absichtlich und wiederholt Massnahmen und Regeln zur Eindämmung von Covid-19 widersetzt in Bereichen wie Abstand halten, Homeoffice-Regelung oder Beisammensein in grösseren Gruppen. In der systematischen biologischen Taxonomie lassen sich unterschiedliche Unterarten bilden. Am bekanntesten ist der Typ Eichhörnchen. Neigt zu Hamsterkäufen und zum irrational motivierten Anlegen von Notvorräten. Weiter bekannt ist Typ Lemming: Kürzlich zu beobachten in getriebenen Massenwanderungen in Richtung Bau­-märkte und Gartenzentren. Bisher nicht klassifiziert bleibt der Typus, der ungefragt Absurdes bis Lebens­bedrohliches wie das Injizieren von Desinfektionsmittel empfiehlt.

Cyberdemo, die

Das anlässlich des vom Bundesrat erlassenen Versammlungsverbot für mehr als 5 Personen zur Eindämmung der Coronakrise im Internet ausgeübte demokratische Recht der Demonstration. Meint virtuelle Verkettung von Menschenmassen durch abfotografier­te und ins Netz gestellte Demonstrationsschilder an gut sichtbaren Orten wie Fenstern und Balkonen. Zuletzt genutzt von der Klimabewegung Fridays for Future oder auch als Alternative zu physischen 1.-Mai-Demonstrationen.

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 7
Teil 8
Teil 9

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