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#Krisefrisechallenge der Heiteren Fahne mit Frisuren wie Titeuf, spitzkegeliger Kahlkopf und Mr T.© Anja Dietrich

Aus dem Corona-Lexikon #2

Eine Krise hat immer auch kreative Konsequenzen. Etwa punkto Wortschöpfungen. Zur Meisterung der neuen Alltagssprache stellen wir ein kleines Lexikon zusammen.

China-Virus, das

Wortschöpfung des US-Präsidenten Donald Trump zum Zeitpunkt der
Virusverkennung, verwendet zur Schuldzuweisung und nationalistischen Selbstvergewisserung. Aussprache: o-förmig gespitzte Schmolllippen, breit amerikanisch. Der Begriff wurde von demselben für ungültig erklärt, nach Akzeptieren chinesischer Hilfeleistungen in der Corona-Krise.

Corontäne, die

Wortkombination aus Quarantäne und Corona, nicht zu verwechseln mit → Quarantän oder Quaterne, eines der am wenigsten gesuchten Wörter im Duden. Merkmale: staatlich verordnet. Folge­erscheinungen: Sofakreativität, Wundliegen, Homeoffice-Witze, Balkon­tänze, flachere Coronakurve, abrupte Abnahme von Lärmklagen, Zunahme von häuslicher Gewalt, Streaming, Solidarität und Zweitwohnungsnutzung.

Krisenfrisen, die

Massenphänomen in kausalem Zusammenhang mit → Corontäne, Ausgangssperre, der ausserordentlichen Lage und häuslicher Langeweile. Umfasst Phänomene wie grauen Haar­ansatz, Blondinenschwund, herausgewachsene Dauerwelle, Domdeusen­Löcher, Selbstschnitt, Identitätskrise. Hat in Paris vor dem Lockdown Tumulte und Weinkrämpfe ausgelöst. Für bernische Phänomene wie den spitzkegeligen Kahlkopf siehe #krise­frisechallenge der Heiteren Fahne.

Moria [Ort]

Von der politischen Landkarte gelöschtes, griechisches Flüchtlingscamp, extrem überbesetzt, unterbetreut, angefeindet und unhygienisch. Symbol für Europa in Zeiten der notrechtlichen Abschottung und egozentrischen Selbstbeschäftigung, ebenso Symbol für die Auflösung des Begriffs Solidarität aus­serhalb der eigenen Landesgrenzen. Begriff auch für Zwergenreich Moria in «Herr der Ringe». Nicht zu verwechseln mit Moira (gälisch für Maria) und Einzahl für die griechische Schicksalsgöttinnen Moiren.

Quarantän, das

Zeitalter der abgeschotteten, isolierten und distanzierten Menschheit. Wortschöpfung des Cartoonisten Ruedi Widmer, Ableitung von Max Frischs «Der Mensch erscheint im Holozän». Entstehung: während der Hochblüte der Globalisierung, des überbordenden Kapitalismus und des zügellosen Liberalismus. Geht einher mit der Überschreibung in Buchhandlungen von Science-Fiction zu Zeitgeschichte.

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Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9

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