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Bettina Gugger schreibt Kurzgeschichten, einen Blog und performt ihre Texte auch gerne. © ZVG
Dampfzentrale, Bern

Auf Dr. Guggers Couch

Bettina Guggers Erzählband «Das Ministerium der Liebe» erhält in der Dampfzentrale einen von sechs Literaturpreisen des Kantons Bern. Die Thuner Autorin schreibt kurzweilig und irritiert stellenweise.

Mitte 20 sei sie «ein Fan des postmodernen Ansatzes» gewesen, sagt Bettina Gugger. «Mittlerweile möchte ich, dass meine Literatur konstruktiv ist.» Die Gesellschaft brauche mehr Happy Ends und weniger Dystopien.

Die 34-jährige Thunerin schreibt Kurzgeschichten, seit sie in einem Zwischenjahr während des Gymnasiums damit anfing. Sie studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut und erlebte ein wildes Jahr in der Berliner Technoszene. 2017 zog sie als Artist in Residence der Nairs Stiftung von Biel in die Engadiner Gemeinde Scuol. Graubünden gefiel ihr so gut, dass sie geblieben ist.

Gugger ist einem breiten Publikum noch unbekannt, hat aber bereits einige Preise abgestaubt: 2009 für Poetry Slam den Thuner Kulturförderpreis. 2014 für das Büchlein «Musen und Museen» den Prix Trouvaille des Kantons Bern. 2016 für «Ministerium der Liebe» ein Schreibstipendium des Kantons Bern. Und dieser Erzählband gewinnt nun auch einen von sechs Literaturpreisen, die der Kanton Bern 2018 für «herausragende Arbeiten» vergibt. Weitere Preisträger sind etwa Lukas Hartmann und Barbara Lutz.

Wunder-Croissant

In George Orwells Roman «1984» ist das «Ministerium für Liebe» ein brutaler Ort. Guggers «Ministerium der Liebe» dagegen steht für Kurzgeschichten zwischen Alltagsphilosophie, Erotik, Aussteigerträumen und Magie. Der saloppe, humorvolle Stil liest sich manchmal wie ein Ratgeber oder eine Kolumne. Erhellend ist etwa, was die Psychologin Carmen über Croissants denkt: «Gleichzeitig vermittelt mir das Croissant ein Gefühl von Sicherheit im Arbeitsalltag, beim Reisen, in einer Autobahnraststätte, verstehen Sie?»

«Ich wäre eine gute Psychologin», sagt Gugger. Aber an der Schulpsychologie hat sie viel auszusetzen. Wie im Gespräch klar wird, vertritt sie teils diskutable Ansichten aus Esoterik, Verschwörungstheorie und Pseudowissenschaft. Zugleich mag sie aufklärerische Philosophen wie Kant. Das Ende, es bleibt ambivalent.

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