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Barbara Marbot und Hans Ryser sind sich einig: Kunst muss in Galerien vor allem faszinieren.© ZVG
Galerie da Mihi, Bern

«Als Galeristen sind wir auch Handwerker, Chauffeure und Psychologen»

Barbara Marbot und Hans Ryser sind verheiratet und führen gemeinsam die Galerie da Mihi in Bern. Zurzeit werden die Räumlichkeiten in der Gerechtigkeitsgasse renoviert, im August wird wiedereröffnet. Ein Besuch.


Beide haben Farbkleckse auf den Hosen: Das Galeristenpaar Hans Ryser und Barbara Marbot legt gleich selbst Hand an während der Renovation seiner Galerie. Das sogenannte Kabinett, wo während den Ausstellungen Malerei, Installationen oder Videos gezeigt werden, sei nun freigelegt worden, erzählt Marbot. «Der alte Verputz wurde abgespitzt.»

Ein pinker Neonschriftzug an einer Wand in einem der grösseren Räume verweist bereits auf die kommende Ausstellung, die im August eröffnet wird. «imagination is reality», steht da geschrieben. Es ist eine Arbeit der aus Interlaken stammenden Künstlerin Barbara Kiener, die sich mit verrückten Performances einen Namen gemacht hat. So verarbeitete sie beispielsweise letztes Jahr zehn Tonnen Kuhmist auf dem Bahnhofplatz Bern zu Kunst, indem sie traditionelle Handwerkskunst anwandte, das Material neu aufschichtete oder zu Zöpfen flocht.

 

 

400 Bilder online gestellt

Performance- und Installationskunst ist gemeinhin schwierig zu verkaufen. Doch Barbara Marbot und Hans Ryser sagen unisono: «Was uns gefällt ist nicht immer das, was sich gut verkauft.» Kunst, die ins Galerien­programm aufgenommen werde, müsse vor allem eines: faszinieren. Die beiden kannten sich gerade einmal drei Monate, als sie 2011 beschlossen, eine Online-Galerie zu gründen. Rund 400 Bilder hätten sie online gestellt, doch passiert sei nichts. Die ausbleibenden Reaktionen führten den Galeristen vor Augen, dass es einen Ort braucht, wo man Kunst eins zu eins betrachten kann.
«Digital geht die Aura des Originals verloren», so Ryser. Während einem halben Jahr konnten sie im Geschäft Anliker einen Raum als Galerie zwischennutzen, anschliessend zeigten sie während fünf Jahren im Maggs-Laden in Bern ihr vielseitiges Programm. Als die Galeristin Dorothe Freiburghaus nach 47 Jahren ihren Kunstkeller in der Gerechtigkeitsgasse aufgab, wurde man sich schnell einig. Da Mihi zog in die Räumlichkeiten ein und übernahm auch einige von den Künstlern, wie etwa den im spätimpressionistischen Stil malenden Martin Ziegelmüller.

Performance als Hochzeitsgeschenk

In der ersten Ausstellung am neuen Ort zeigten Barbara Marbot und Hans Ryser Arbeiten der Installations- und Performancekünstlerin Victorine Müller. Die Grenchner Künstlerin ist bekannt für Performances, bei denen sie in Figuren – etwa einem Elefanten – aus transparenter Folie sitzt oder steht. Auch vor der Galerie da Mihi sorgte Victorine Müller 2017 mit einer ihrer schillernden Performances für Aufsehen. «Das war unser Hochzeitsgeschenk», so Barbara Marbot, der die persönliche Beziehung zu ihren Künstlerinnen und Künstlern sehr wichtig ist.
Das Verhältnis zwischen Künstler und Galerist werde oft wie eine schwierige Ehe beschrieben, doch sie hätten bisher fast nur positive Erlebnisse gehabt, so Ryser. «Manchmal ist man als Galerist auch Handwerker, Chauffeur oder Psychologe.» Während des Lockdowns bloggte das Ehepaar querbeet über Ausstellungen, Kulturpolitisches oder faszinierende Entdeckungen aus der Kunstwelt. Mit einem speziellen Hauslieferdienst brachten die Galeristen die Kunst zu ihren Kunden nach Hause. Die Blogeinträge schrieben sie gemeinsam, beziehungsweise der eine schrieb, der andere redigierte.

Präsidentin des Berner Galerien­vereins

Barbara Marbot ist ursprünglich Hauswirtschaftslehrerin und Hans Ryser Elektroingenieur. Beide haben sich im Hinblick auf ihre Galerien­tätigkeit weitergebildet. Ryser hat sich an der Universität Zürich zum Kunstmarktexperten ausbilden lassen, Marbot hat an der Zürcher Hochschule der Künste Curating studiert und sich dabei insbesondere mit emanzipativer Kunst, die sich mit Klima­wandel, Gender und Feminismus beschäftigt, auseinandergesetzt. In ihrer Masterarbeit forschte sie über die Rolle der Galerie im heutigen Zeitalter.
Als neu gewählte Präsidentin des Berner Galerienvereins engagiert sie sich für eine stärkere Vernetzung und möchte auch nomadische Projekte im Verein integrieren. Marbot plädiert für mehr Selbstbewusstsein: «Steht zu euch. Galerien werden überleben, genau wie die oft totgesagte Malerei.»

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