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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der BuCK-Nachtleben Bern.

Liebe Kulturschaffende,jemand muss es euch ja sagen: Hütet euch vor zu grossem Erfolg! Insbesondere das Verdienen von Geld oder gar des eigenen Lebensunterhalts mit dem eigenen kulturellen Wirken könnte zu massivem Gesichtsverlust führen. Oder gar zur Aberkennung des Labels «Kultur» für euer Tun. Kultur, die Geld generiert, ist böse Kultur. Kultur, die viele anlockt, auch. Mit der Diskussion um die neue Festhalle ist ein neuer Debatten-Strang aufgetaucht: «Gute Kultur – böse Kultur».

Dieser Argumentation zufolge soll das Gemeinwesen vor allem in «nichtkommerzielle Kultur» investieren, sollen Subventionen ausschliesslich an kleine Kulturideen, an alternatives Schaffen, an lokale Projekte fliessen. «Lustige Feste» vs. «kommerzielle Konzerte».

Mit dieser Form der Abgrenzung, mit dem Einzug des «Wir» und der «Anderen» in die Kultur(subventions)-Diskussion, wird die Kultur aktiv gespalten. Hier die lokale, nicht die Massen erreichende, knorrige, alternative «gute Kultur». Ihr gegenüber nun die Grossproduktionen, die kommerziellen Veranstaltungen, Darbietungen mit grossem Publikumsaufkommen – «böse Kultur».

Ich mag die Büetzer-Buebe auch nicht wirklich, gehe selten an Volksmusik-Veranstaltungen und habe meine letzte Musical-Produktion vor Jahren besucht. Trotzdem finde ich, dass auch diese Zweige des Kulturschaffens ihre Berechtigung haben. Meine Stadt soll allen Kulturen Platz bieten, auch wenn sie nicht «meine» sind. Ich freue mich, wenn Künstlerinnen, Techniker, Produzentinnen und Stagehands von ihrer Arbeit leben können. Ich hoffe doch sehr, dass diese Eifersuchtsdebatte, dass dieser Spaltpilz trotz oder gerade wegen der schwierigen Situation eine Rand-erscheinung bleibt und dass man sich den Erfolg gegenseitig gönnt. Und voneinander profitieren kann. Kulturelle Vielfalt macht alle stärker!

 


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