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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville/Kino Rex.

 Optimismus. Ist er angesagt? Mit der Öffnung der Museen in den kommenden Tagen ein kleines Portiönchen, ja.

Und falls die Zahlen besser sind und es den Mutanten schlechter geht, soll es ab April wieder eine zarte ­Chance für kulturelle Veranstaltungen geben. Veranstaltungen mit Kapazitätsbegrenzung und strikten Schutzkonzepten, beispielsweise Kino­vorführungen in nur wenig gefüllten Sälen, Theatervorstellungen für eine Minigruppe, Lesungen für einige Auserlesene. Und danach, hoffentlich Schritt für Schrittchen oder besser, Sitz für Sitzchen, immer mehr.

Also Optimismus? Leiser, portionenweise. Es bleibt nun etwas Zeit, sich auf die neue Kulturordnung vorzubereiten. Denn die gewichtige, bange Frage bleibt: Werden die Menschen wieder und rasch Kulturveranstaltungen besuchen? Haben Kinofans dem Kino die Liebe gekündigt und es sich für immer auf dem Streaming-Sofa bequem gemacht? Wird das Konzert­publikum, für das Hustenanfälle schon immer das blanke Grausen waren, wieder in die Säle strömen, oder steckt ihm die Furcht vor Viren noch länger in den Knochen? Wird der Durst nach Festivals, vielen Menschen und wenig Abstand bald zurückkehren? In genügend kurzer Zeit, damit Veranstalter­innen und Veranstalter in lebenserhaltender Frist wieder auf sichere Beine kommen?

Die Meinungen gehen auseinander, Optimisten und Pessimistinnen halten sich die Waage – und gut möglich, dass es (nochmals) ohne einen speziellen Effort der Kulturschaffenden nicht gehen wird. Laut und charmant, bestimmt, mit möglichst viel Phantasie muss das Publikum zurückgeholt werden. Und fordernd – Stichwort Systemrelevanz. Auch wenn viele (nicht nur im Kul­turbereich) mit den Kräften am Limit sind – ein bisschen Optimismus würde vielleicht helfen.

Rufen wir uns ab und zu ins Bewusstsein, dass wir in der Schweiz, im Gegensatz zu unzähligen ärmeren Ländern, in vielen Bereichen glimpflich davonkommen werden. Dass hoffentlich einige mehr begriffen haben, wie wichtig Kultur für alle ist. Und dass sich viele Kulturschaffende mit spannenden Alternativen neu erfunden haben. Schluss also mit deplatzierten Todesanzeigen und aggressiven Schimpftiraden On- und Offline. Die Kultur lebt. Go for it!


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