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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist Produktionsleiterin für die freie Theaterszene und arbeitet nebenbei in der Pflege. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber auch in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis.

Die Kolumnistin klebt immer noch 
am letzten Jahr. Dieser Jahreswechsel schien ihr nicht so einschneidend wie andere. Vielleicht, weil 2020 und 2021 in einem Reissverschluss der Depression verzahnt sind, meinte der Kollege.

Für die kulturelle Jahresrevue gab es 2018 und 2019 mehr Auswahl. Dafür fällt es für 2020 leichter, Lieblinge zu küren.

Buch: «Willkommen im Tal der 
Tränen» von Noëmi Lerch. Mit Sätzen wie «Manchem sieht man an, was es früher einmal war. Tier oder Mensch. Feuer, Erde, Holz, Stein oder Wasser. Alles kann alles gewesen sein. Alles kann immer zu allem wieder werden.» Gedicht: Gila Prasts «Kein Waldahorn». Besonders wegen der letzten Zeile: «Daran ist die Sonne gesunken.» Theater: «Black. Space. Race.» von 
Manaka Empowerment Prod. Anfangs Januar im Dachstock. Mit über 
300 Menschen im Publikum und Hängen im Backstage. Ein anderes Leben, eine andere Zeit. Livekonzert: Trixie Whitley im Spätwinter in der Mühle Hunziken. Mit Erfassen der Kontaktdaten, ohne Maske. Album: «Letter To You» von Bruce Springsteen. Erschienen am 23. Oktober, dem Tag, an dem die Berner Kantonsregierung den erneuten Kultur-Lockdown verhängte. Nach dem ersten Durchhören dachte die Kolumnistin, dass bis Ende Jahr nichts Besseres mehr passieren würde. Nur die Geburt des Gottebuebs hats noch geschafft. Song: «Fortune» von Laura Marling. «Some love is ancient and it lives on in your soul, a fortune that never grows old». Film: «It Must Be Heaven» von Elia Suleiman. Tatsächlich noch im Kino geschaut. Entdeckung - Wiederentdeckung eher: Urs Lüthis «Selfportraits 69-80». Vor allem «You are not the only one who is lonely» hatte Symbolkraft. Kulturort: Progr Atelier 262. Drehscheibe für alles An- und Abgesagte, Infektionsgemeinschaftslounge und oft der einzige Antrieb, diesem Weltensturm zu trotzen.

Einen kulturellen Jahresausblick kann die Kolumnistin nicht machen, dafür fehlt die Planungssicherheit. Kulturelle Jahresvorsätze machen drum auch begrenzt Sinn. Bleibt nur, Mut und Geist nicht zu verlieren.

In diesem Sinne: Happy no fear!

 


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