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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und co-leitet pakt bern – das neue musik netzwerk. Er pendelt zwischen Schüss, Aare und Rhein.

Pegelstand von unterwegs. Start: 12. Mai, 9.45 Uhr. Von Neuhausen am Rheinfall nach Balsthal. 118 Kilometer. 4000 Höhenmeter rauf und runter. Vier Tage zu Fuss. Flüchtige Beobachtungen zum kulturellen Geschehen entlang des Jurasüdfusses. Der Rheinfall modelliert einsam die Regenwassermassen. Tourist*innen, die hier sonst auch an einem trüben Tag in Scharen aufkreuzen, sind keine vorhanden. Kultur und Tourismus waren noch nie ein gutes Paar. Dem Rhein entlang. 22 Kilometer. Renaturierte Kulturlandschaften. Vertäute Freizeitschiffe. Festungsanlagen. Aufstieg nach Bülach. Zentrum im Zürcher Unterland. Jährlicher Kulturpreis der Stadt: 4000 Franken. Ansonsten wenig Spuren von kulturellem Schaffen. Oder aber schon, wenn auch indirekt: Gottfried Keller hat für Seldwyla in Bülach Mass genommen. Fluglärm auf der Lägeren. 13 Kilometer in der Höhe. Wie ein Balken liegt das Jurastück in der Anflugschneise von Kloten. Freizeitverkehr. Abstieg Baden. Das Marketing sagt: Baden ist. Der wandernde Besucher ist überrascht. Kulturstadt. Bildungsstandort. Der Aargau ruft, die Aare fliesst heran, Heimatort Villnachern. Das Mittelland liegt dem Jura zu Füssen. Autobahnen. Hüslipest. Verteilzentren. Habsburger. Burgen. Reben an den Hängen. Vorzüglich der Gamaret der lokalen Genossenschaft im wohlfeilen Bären zu Schinznach.Früher war wandern reaktionär. Heute tummeln sich die Progressiven auf den Wanderrouten, dem Jurahöhenweg, Nummer 5 der nationalen Routen. Und neuerdings auch: les Romand(e)s. Und wo gehören eigentlich die E-Mountainbiker*innen hin? Im Freizeitpark Schweiz herrscht ein Mobilitätsgerangel. In das Solothurnische. Blick gen Basel. Rapsfelder, grüne Wiesen und Wälder, weidende Schafe, biblisch anmutende Zustände. Auf der anderen Seite. Der Kühlturm zu Gösgen. Was auch ein Bezirk ist, der ein schönes Dorf namens Wisen beherbergt, welches einen Gasthof Löwen aufweist. Da so hoch oben, kommt einem die Schweiz wie zu Dürrenmatts Zeiten vor: beängstigend gepflegt verkleinert. Auf dem Hauenstein. Grenzbesetzung 1915. Der lange Abstieg nach Balsthal. Plötzlich wieder im IC. Vier Tage off und vorbei.

 

Illustration: Rodja Galli, a259


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