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Pegelstand

von Rodja Galli, a259
© Rodja Galli, a259

Rodja Galli, a259

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und co-leitet pakt bern – das neue musik netzwerk. Er pendelt zwischen Schüss, Aare und Rhein.

Neulich, beim Engelsbrunnen in der Bieler Altstadt, ein Stehapéro. Wir laufen hinzu, zufällig. Vernissage im zügigen Frühlingswind. Der Schriftzug «For my friends and family» wird eingeweiht. Weiss prangen die Lettern auf dem Schaufenster der Krone Couronne. Das ist ein neu eröffneter Ort für zeitgenössisches und regionales Kunstschaffen. In der Alten Krone, Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, mitten in der Bieler Altstadt. Das sei so etwas wie eine Stadtgalerie für Biel, wird einem erklärt.

Hat da jemand Stadtgalerie gesagt? In Stadtberner Ohren, die sich shutdownbedingt nur langsam an die bruits de Biel gewöhnen, klingt das wie ein Treppenwitz. Die notorisch finanzklamme Stadt Biel eröffnet mitten in der Pandemie eine Galerie, «die an der Schnittstelle zwischen der französisch- und der deutschsprachigen Schweiz den Dialog zwischen Künstler*innen und Kulturschaffenden aus allen vier Ecken der Schweiz
unterstützt». Jährlicher Programm­kostenzuschuss aus der Stadtkasse: 40 000 Franken. Derweil in Bern die ein halbes Jahrhundert alt gewordene Stadtgalerie stillgelegt werden soll. Mit dem Aus für diesen «Ort der Öffentlichkeit, der Auseinandersetzung mit Kunst und zentralen Fragen unserer Gegenwart» will der Gemeinderat der Stadt Bern jährlich 220 000 Franken sparen.

Die Gegenüberstellung Bern versus Biel ist purer Zufall, aber aufschlussreich. Der Sparvorschlag des Berner Gemeinderats ist allerdings auch ohne Vergleich völlig abartig. Kann es sein, dass die Hauptstadt die Anlaufstelle für junge Berner Künstler*innen just in jener Krise dicht macht, die sich am stärksten auf eben diese jungen Künstler*innen auswirkt? Wie kann es sein, dass die Stadt Bern in der Kultur sparen will, in Zeiten, in denen diese Kultur völlig unter die Räder geraten ist? Nun liegt es am Berner Stadtrat, diese Sparschnapsidee im September bachab zu schicken, und zwar am liebsten an Biel vorbei, der Aare, den Rhein runter ins offene Meer.


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