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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Wolfgang Böhler ist Philosoph, Dozent für Musikphilosophie und -psychologie und Gründer des Onlinemagazins Codex flores. Er publiziert zu Musikwirkungsforschung und Kulturpolitik und ist Dirigent von Männerchören.

 

Was bedeutet die Corona-Pandemie für die Kulturschaffenden? Sie (zumindest einige) erhalten ihr faktisches Berufsverbot entschädigt. Es fühlt sich, vor allem für die Selbstständigen und Freischaffenden, etwas an wie Almosen. Der Blick ist nach hinten gerichtet, auf die Verluste. Sinnvoller wäre es, nach vorne, auf kommende Auf­gaben, zu schauen und damit gleich doppelt Mehrwert zu schaffen. Welcher Vision könnte man dabei folgen?
Die musische Bildung ist mit Corona ziemlich unter die Räder gekommen. In der Schule war und ist sie wohl schwierig bis unmöglich, vor allem in den Kunstformen, die Körperkontakt oder physische Gemeinschaft voraussetzen: Theater, Musik, Tanz … Die wichtigen Motivatoren – Chöre, Blasmusiken, Theatervereine – sind kaltgestellt. Die Vermittlungsprogramme der Kulturhäuser? Liegen auf Eis.

Wenn die Pandemie einmal überstanden ist, das heisst, wenn es keine Restriktionen für Schulen und Kulturanlässe mehr geben wird, werden die Schulen ihre Prioritäten darauf legen, die Ungleichheiten auszugleichen. Sie haben sich ergeben, weil Kinder aus bildungsfernen Familien oder mit alleinerziehenden Elternteilen mit der Situation weniger gut umgehen konnten und Schulklassen irgendwie wieder auf einen gemeinsamen Bildungsstand gebracht werden müssen. Da wird die musische Bildung noch längere Zeit Stiefkind bleiben.

Wie wär’s, wenn Politik, Verwaltung, Kulturschaffende und – ganz wichtig! – Vertreter der Kulturvereine  sich zusammensetzen und überlegen würden, wie man nach der Pandemie mit den Kindern auch in Sachen
musischer Bildung die Lücken wieder schliessen kann? Das Abgelten solchen Mitdenkens wäre für die Kulturschaffenden dann nicht Gnadenbrot, sondern Lohn für hochkarätige Arbeit. Und ein Problem, das auf uns zukommen wird, wäre vorausschauend angegangen.


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