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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Liebe Kollegin Corbat,

 

In Deiner letzten Kolumne äusserst Du Unverständnis gegenüber dem Unverständnis gegenüber Kulturschaffenden. Mit welchen Argumenten dem Kulturschaffen zuweilen jeglicher Wert abgesprochen wird, ist nicht nur verletzend, sondern unterläuft meiner Meinung nach auch die Idee eines
freien, demokratischen Sozialstaates. Film, Bildende Kunst, Fotografie, Musik, Literatur, Theater und Tanz tragen in einem politischen Konstrukt, das auf Teilhabe und Inklusion basiert,
genauso zur sozialen Sicherheit und Gerechtigkeit sowie zum gesellschaftlichen Fortschritt bei wie Bildung,
Gesundheits- oder Asylwesen. Auch wenn ihr Wirken vielleicht nicht so unmittelbar augenscheinlich ist: Kultur bildet auch – und sie belebt und sprengt Grenzen. Kultur hat nicht nur einen gesellschaftlichen Wert, sondern einen expliziten Auftrag.
Die grossen Kulturinstitutionen dieser Stadt haben einen Leistungsauftrag, der in regelmässigen Abständen von der Bildungs- und Kultur­direktion erneuert wird. Öffentliche wie private Geldgeber*innen haben an gesellschaftlicher Relevanz und Dringlichkeit orientierte Förderkriterien. Die Willkür, Boheme und Faulheit, die Kulturgegner*innen im Leben und Wirken der Kulturschaffenden sehen und kritisieren, haben mit der harten Realität nichts zu tun. Wer Kultur schafft, geht mit offenem Herz und wachen Augen durch unsere Zeit und kreiert aus den Beobachtungen etwas bedeutsames, bewegendes, beständiges – und chrampfet viel. Deine Frage nach einer angemessenen Reaktion der Kulturschaffenden auf diese Art von Unverständnis – Du denkst an Ignorieren, Argumentieren oder Streiken – würde ich beantworten mit: das Gespräch suchen. Und un­bedingt unbeirrt Weitermachen und diese Gemeinschaft aktiv mitgestalten. In diesem Sinne: «If only life could be a little more tender and art a little more robust.» (Alan Rickman)


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