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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und co-leitet pakt bern – das neue musik netzwerk. Er pendelt zwischen Aare, Rhein und Schüss.

 

Geht in Bern jetzt alles den Bach runter? Seit ich in Biel wohne, wird der Berner Kulturszene ordentlich der Arsch versohlt, respektive die Luft zum Atmen abgestellt, respektive der Raum zum Nachdenken geschlossen. Ich weiss gar nicht, über was ich mich mehr aufregen soll.

Der Regierungsrat hat der Berner Kultur ein Berufs- und Ausübungsverbot auferlegt, obwohl diese Branche der Obrigkeit x-mal aufgezeigt hat, dass sie ihr Publikum mit Schutzkonzepten zu schützen weiss. Warum schickt der Kanton Bern die Dampfzentrale, das Schlachthaus und alle anderen bestens organisierten Kulturstätten von einem Tag auf den anderen in einen Zwangswinterschlaf, und das kurz nach Saisonstart, vor grossen Festivals und Premieren – und dies obwohl Covid-Ansteckungen in der Kulturwelt bisher kein grosses Ding sind?

Anderer Aufreger: Tamedia fusioniert die Lokal- und Kulturberichterstattung von «Bund» und «BZ» und damit den letzten Rest Eigenständigkeit der beiden Berner Tageszeitungen –obwohl die Holding TX Group nach wie vor fette Gewinne macht. Begründung der Tamedia-Geschäftsführung unter anderem: Zweimal über die gleiche Oper zu berichten, sei wenig effizient. Konsequenz dieser Gewinnmaximierungsstrategie von TX Group: Bern hat keine eigene Zeitung mehr. Und der hiesigen Kultur wird der Reflektionsraum geschlossen.

Alles spült die Aare weg, ins Niemandsland. Was kann man dagegen tun, in diesen unglaublich demotivierenden Tagen? Kampagnen wie #ohnekunstwirdsstill wirken heute hilflos, ja schon fast verzweifelt. Verständnis und Sichtbarkeit hat die Kultur schon im Frühling reichlich gesammelt – nun sind Forderungen angebracht. Etwa für ein Grundeinkommen für die 84 000 selbstständigen Kulturschaffenden in der Schweiz: Ein neuer, interessanter Ansatz für das System der Kultursicherung und -förderung. Und auch in der lokalen Medienlandschaft müsste anders gedacht werden: Wer sammelt sich, um ein eigenständiges Berner Kulturmedium auf die Beine zu stellen?

Die Kampagne Grundeinkommen für Kulturschaffende unterstützen


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