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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville / Kino Rex.

Nein! Kollege Christian Pauli hat vor einer Woche an dieser Stelle deutlich die Antwort auf Berns Sparpläne für die Kultur gegeben. Nach den letzten Wochen und in der aktuellen Lage – die prekären Verhältnisse dauern für sehr viele Kulturschaffende an – darf es nicht sein, dass hier gespart wird. Im Gegenteil, wie Pauli schreibt, die Politikerinnen und Politiker, aber auch das Publikum, das sie wählt, müssen sich ernsthaft damit beschäftigen, wie die Situation verbessert werden kann. Das schöne, coronale Lied der Systemrelevanz reicht nicht mehr (und es ist offenbar längst ausgesungen). Es ist Wahljahr in der Stadt Bern, Bernerinnen und Berner haben es in der Hand, ein Zeichen zu setzen. Vielleicht sind im Krisenjahr 2020 Arbeitsplätze in der Kreativbranche doch wichtiger als neue Velobrücken?

Wer nun die Hände verwirft und in alte Denkmuster verfällt, von wegen Hobby, das zum Beruf wird und «die hätten ja auch einen richtigen Job suchen können», dem sei für einmal nicht künstlerisch, sondern wirtschaftlich, mit einer Binsenwahrheit, widersprochen: Die Kulturbranche ist auch Arbeitgeberin, sie schafft und sichert feste Stellen – über 500 etwa beim Konzert Theater Bern. Dort arbeiten nicht nur Kreative, bei weitem nicht, und es ist – für Berner Verhältnisse – ein Grossbetrieb, der anständige Löhne zahlt, und keine Selbstverwirklichungsmaschine für ein paar Verrückte. Wie viele solch grössere Betriebe gibt es in Bern?

Anderes Beispiel: die Filmproduktion. Hier werden mit Verbänden ausgehandelte, faire Löhne bezahlt für Technikerinnen und Techniker, Kamerafrauen, Tonmänner, Editorinnen. Produktionsfirmen sind Arbeitgebende, die Verantwortung gegenüber Arbeitnehmenden tragen, die mithelfen, dass Menschen anständig bezahlt werden, ihr Auskommen haben, die sich regelmässig Prüfungen und Revisionen unterziehen müssen – und die letztlich auch das wirtschaftliche Ri­siko tragen.
Beispiele gibt es noch viele. Sie haben mit verträumter Selbstverwirklichung wenig zu tun. Und sie sind relevant. Fürs System.

 


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