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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der BuCK-Nachtleben Bern.

Wer sich noch an die Durchsage «Und hier noch der Pegelstand für die Rheinschifffahrt» in den täglichen Nachrichten erinnern mag, mag sich wohl auch noch an die Premiere der Filme «Die Blechtrommel» oder «E.T.» erinnern. An die Uraufführungen von Hits wie Trios «Da Da Da (ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht)» oder «Oh, Julie» von Shakin’ Stevens. An den Literatur-Nobelpreis für Pablo Neruda. Oder …

«Und hier der Pegelstand des kulturellen Lebens im Jahre 2020: 0,0 Meter über dem Null-Niveau.» Auftritt: Das Virus. Die Bühne: Jede. Dauer der Aufführung: lange … Corona hat das kulturelle Leben stillgelegt. Dagegen war der Berner Kulturstreik 1987 ein reger Betrieb.
Der kulturelle Shutdown war nötig, unbedingt, unbestritten! Denn Kultur bringt Menschen zusammen. Kultur animiert Menschen zum gemeinsam Singen, Tanzen, Applaudieren. Kultur lässt Menschen sich spontan umarmen, küssen, lieben.

Den Wert der Kultur für das tägliche Zusammenleben kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. «Die Aufgabe der Kultur ist es, im Menschen das soziale Gewissen und die soziale Moral zu entwickeln und zu stärken und alle Fähigkeiten und Talente des einzelnen zu organisieren.» Eine fundamentale Einsicht Maxim Gorkis (russischer Erzähler und Dramatiker) mit maximaler aktueller Gültigkeit. Nebst zubereiteter Nahrung und sozialen Kontakten macht uns die Kultur zu menschlichen, sozialen Wesen.
Was also, wenn sie wegfällt? Das Fehlen von kulturellem Input kann die Gesundheit gefährden. Gerade deshalb ist es jetzt wichtig, Kultur zu konsumieren. Wenn auch aus der Dose. Genauso, wie man ab und zu (im Versteckten) eine Dose Ravioli öffnet. Es ist ja nicht für immer. Und es gibt gute Konserven. Auf Vinyl, auf Papier, auf Zelluloid – und auf Servern.

Servieren Sie sich (und Ihrer Familie) nebst dem täglichen Essen eine tägliche Portion Kultur. Machen Sie einen virtuellen Museumsbesuch. Hören Sie die alten Schallplatten durch. Schauen Sie einen Film oder die Aufzeichnung eines Theaters. Servieren Sie ihren Kindern ein Chasperlitheater, «Dominik Dachs» oder lesen Sie ihnen Michael Ende vor. Formen Sie aus Salzteig Plastiken. Zeichnen Sie, malen Sie! Denn «Die Kultur muss alles aufbieten, um den Aggressionstrieben der Menschen Schranken zu setzen» (Sigmund Freud).

Nie war es wichtiger, dass Sie Kultur stattfinden lassen! Überbrücken Sie den Kulturmangel. Machen Sie selber Kultur. Bald werden wir wieder miteinander tanzen! Denn nach jeder Einstellung der Rheinschifffahrt wurde sie wieder aufgenommen. Nur die Pegelstandsmeldung am Radio selbst, die hat den Kulturwandel nicht überstanden …
Und vergessen Sie nicht: «Die Seife ist ein Massstab für den Wohlstand und die Kultur der Staaten» (Justus von Liebig, deutscher Chemiker und Universitätsprofessor).


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