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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und Präsident von pakt bern – das neue musik netzwerk.

Wie in Zeiten wie diesen die Globalisierung von Viren lokale Befindlichkeiten ins Schleudern bringt: Gross­ereignis Corona. Aber verstehen wir, was da draussen passiert und was es mit uns macht? Eine kollektive Psychose macht unser winziges Dasein zu einer surreal anmutenden Nebensächlichkeit. Ach, was weiss ich denn schon, was andere nicht schon gesagt haben? Was macht es mit mir, in die Jahre gekommen, sesselfurzend, im leitenden Kulturmanagement tätig? Bin ich Risikogruppe? Oder in einem Krisenstab?

Zunächst mal dies: Für Angehörige einer international verhängten Hochschule bedeutet Corona Stress. Was ist die neueste Entwicklung? Ich meine: der letzten halben Stunde? Wurden Auflagen verschärft? Wer entscheidet jetzt was? Was, wem und wann kommunizieren? Habe ich das im Griff? Verunsicherung macht sich breit. Krisenkommunikation ist der Lackmustest der Berufsbranche.

Interessanterweise erhöht der Stress im Kollegium aber auch die kollegiale Aufmerksamkeit: Man tänzelt im Wahn solidarischer, wenn auch nicht geschlossen – das hat Sozial­demokrat Berset mit seinem «social distancing» klar gemacht.

Kollegin A war bei Mutter in Mailand, und sie weiss jetzt nicht, ob sie zum Unterricht anreisen darf. Kollege B meldet: Studentin auf Studienreise hospitalisiert – Entwarnung 24 Stunden danach: es ist kein Corona. Kollege C liest die Krisenmails erst später und dies tiefenentspannt. Fusskicken ist die entspanntere Geste als Händeschütteln.

Schliesslich mischt sich auch Erleichterung ins Corona-Erlebnispaket. Museumsnacht abgesagt, Podium gecancelt, zurückfahren, liegen lassen, verzichten, zu Hause bleiben, innehalten. Plötzlich diese Luftlöcher, Pausen, Fragen ohne Antworten. Plötzlich alles anders und offen. Wird es jetzt Frühling?

Diese Krise fordert viele und vielfältige Opfer. Darf man trotzdem sagen, dass sie auch ihr Gutes hat? Ich zum Beispiel bin der Meinung, dass es der Gesellschaft unter dem Strich besser ginge, wenn der Bundesrat Veranstaltungen mit über 1000 Menschen für immer verboten erklären würde.


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