mitgliederwerden grey iconMitglied werden

Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und co-leitet die Vereine Neustadt und pakt bern - das neue musik netzwerk.

Meine lieben Nachbarn,
lieber Alec von Graffenried

Mitten in, aber nicht wegen der Coronakrise: Zwischennutzung Schützenmatte jäh abgebrochen. Die wohltuend gebastelten Bauten – Virus-bedingt eh leer gestanden – weggebaut. Der Verein PlatzKultur lässt sich zu einer gemeinsamen Medienmitteilung mit der Stadt hinreissen, wohl in der Hoffnung, in diesem Schlamassel nicht noch mehr kaputt zu machen. Die beiden Platzherren Christoph Ris und Kevin Liechti haben alles gegeben, vor allem Nerven, und viel, allzu viel verloren.

Verloren hat aber auch die ganze Stadt. Mein Ärger gilt nicht PlatzKultur, die konzeptuell den einen oder anderen Fehler gemacht haben mögen. Dieser öffentliche Brief richtet sich an meine lieben Nachbarn. Ich wohne im Altenberg, zwar nicht gerade im Rabbental, auch noch nicht im Altersheim, aber ich kenne die Situation gut, ich weiss, wie die akustische Belastung daselbst ist, und ich weiss, wie es ist, an dieser privilegierten Lage zu wohnen. Ich habe auch die Sommerkriminalität auf der Schütz gesehen, und weiss, wie sicher es im Altenberg zu und her geht. Dass ihr paar Anwohnerinnen und Anwohner, die wir uns nett grüssen auf den Gassen am Aarehang, das für Bern sozial und kulturell derart zentrale Projekt unentwegt und juristisch torpediert habt, macht mich wütend.

Mein Ärger geht aber auch an Dich, lieber Alec von Graffenried. Ich weiss, dass die Stadtverwaltung viel in das Projekt investiert hat. Ich weiss, dass der Verein und die Stadt alles versucht haben. Aber das alles geschah hinter den Kulissen, niemand wollte sich die Finger verbrennen. Was PlatzKultur gefehlt hat, war nachhaltiger poli­tischer Support und breite Öffentlichkeit. Nur so wäre es möglich gewesen, die vielen Hürden zu überwinden, die diesem herausfordernden Projekt entgegen gestellt wurden. Und das, lieber Stadtpräsident, wäre schlicht und einfach Dein Job gewesen.

Nun liegt der Platz, den die Stadt so geschickt von Parkplätzen befreit hat, brach. Statt Kunst und Kultur im sozialen Raum ein post-viraler Sommer mit ein paar Pingpong-Tischen.

Halleluja, habt’s gut in euren Oasen. Beste Grüsse aus dem trauten Heim,


Zur Übersicht

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden