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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Ich hatte vor ein paar Wochen ein Gespräch mit Herzensmenschen, das mich nicht loslässt. Es war eine dieser Nächte, in denen der Schnaps vor allem «du courage» und der Himmel überall ist. Wir redeten über alles und nichts, die Lösungen für die Probleme dieser Welt lagen in unseren Händen und die Sonne sollte nie aufgehen.

In der Essenz ging es um Nachhaltigkeit. Ein umweltschonendes und faires Konsumverhalten ist in unseren privilegierten Umständen keine Kunst. Da gibt es keine Ausreden, da waren wir uns einig. Nachhaltig Kultur schaffen – etwa ein Stück produzieren, proben und damit touren – das hingegen kann gewisse Tücken bergen.

Auf Natur, Mensch und Tierwohl achten kann kosten – Geld, aber auch Zeit. Budget und Projektrahmen geben da oft nicht viel Spielraum. Und auf der Bühne zählt ja dann der Inhalt, und nicht der Prozess. Es scheint wenige zu interessieren, dass Flyer und Plakate bei der Billigbude «ännet» der Grenze gedruckt wurden, die Kostüme vom H & M sind und die Requisiten nach den Vorstellungen entsorgt werden. Und wenn ein 15-köpfiges Team für eine einzige Vorstellung nach Mexico City an ein Festival geschickt werden soll, werden auch kaum Fragen gestellt.

Mich frustriert dieses kopflose, verschwenderische System. Was tun dagegen? Ein Theaterprojekt mit nachhaltigen Produktionsverhältnissen eingeben und eben diese als Innovation, Dringlichkeit und Relevanz stark machen. Einen Fundus für die Freie Szene etablieren, damit Kostüme, Requisiten und Bühnenteile immer wieder verwendet werden können. Eben nicht nach Mexico City fliegen. Und mehr Nächte zum Tag reden.

In diesem Sinne: Après nous le déluge.


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