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Pegelstand

von Sibylle Heiniger
© Rodja Galli, a259

Sibylle Heiniger

Sibylle Heiniger ist Regisseurin und Produzentin und engagiert sich bei t. OK Bern, dem Berufsverband fürs freie professionelle Theaterschaffen. Sie liebt die Aare (vor allem im Sommer) und gute Bücher (immer).

Die letzten Wochen probte ich in Basel eine Inszenierung zur Weitergabe von Kriegstraumata an die nächsten Generationen. Die Proben waren sehr intensiv, da viele persönliche Geschichten diskutiert und auf der Bühne verhandelt wurden. Die jüngste Generation war auch vertreten: Die zwei Performerinnen sind beide Mütter – die eine seit vier Monaten, die andere seit drei Jahren. Und der achtmonatige Junge der Kostümbildnerin robbte bei den Anproben unter Bühnenrequisiten und zwischen unseren Beinen durch. Unsere Probetage waren dank der Jungspunde herausfordernd und bereichernd zugleich. Wir mussten zeitlich flexibel sein, wegen Still- und Wickelpausen oder unerwarteten Kita-Betreuungsausfällen. Wir hatten unseren Spass, wenn die Kleinen bei den Textproben unvermittelt mitplauderten oder im passenden Moment auf die Bühne kraxelten. Die Jüngste war bei einzelnen Szenenproben hautnah dabei, da sie im Tragetuch an Mutters Bauch den Schlaf fand. Wir probten, trotz Ablenkungen, trotz Übermüdung.

Passend zu diesen Umständen erreichte mich das von deutschen Künstlerinnen verfasste Manifest «Mehr Mütter für die Kunst». Sie fordern, die Fördermöglichkeiten für Künstlerinnen mit Kindern zwischen 0 und 14 Jahren auszubauen. Nicht selten verschweigen Künstlerinnen in ihrer Vita, dass sie Mütter sind, weil dadurch ihre Chancen auf den Job rapide sinken. Klar, Künstlerin zu sein ist selbst gewählt, der Weg dorthin oft geprägt von Tiefschlägen, die Anstellungsbedingungen prekär. Dennoch darf Künstlerin und Mutter sein in unserer Gesellschaft kein Ding der Unmöglichkeit werden. Für die Künstlerin mit Kind sollen Bedingungen geschaffen werden, nebst der Betreuung der Kinder und gemeinsam erlebtem Familienleben, sich künstlerisch weiterentwickeln sowie das karriereförderliche Networking betreiben zu können.

Die Inszenierung tourt in den kommenden Monaten durch die Schweiz und Europa. Die Jüngsten werden mit dabei sein.


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