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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der BuCK-Nachtleben Bern.

Da hätte man die Eule mal besser an den Loryplatz statt nach Athen getragen. Während es in der griechischen Hauptstadt (der Sage nach) von Uhus nur so wimmelt, ist dem Loryplatz der gefiederte Beschützer dieses Jahr abhandengekommen. Still und leise …

25 Jahre lang hat die Metalltor-Eule über den Platz gewacht. Ein riesiges Graffiti auf einem Metalltor in der Mauer unter dem Loryspital. Ein wohltuender Farbklecks im Einheitsgrau der hohen Mauer, die bis zum Frauenspital reicht. Von den angebrachten Werbetafeln mal abgesehen.

Dann kam die Treppe. Der neugebaute Aufgang vom Loryplatz zum gleichnamigen Spital soll den einst tristen Verkehrsknotenpunkt weiter attraktivieren. Und das ist gut so. Nicht gut ist, dass in Zeiten abnehmender Biodiversität die einzige Metalltor-Eule der Welt diesem Projekt zum Opfer gefallen ist. Denn für viele Quartierbewohner, alteingesessene und Neuzuzüger war sie ein täglicher Begleiteter, ein Quartieroriginal. Oder einfach Kunst.

Kunst war sie aber angeblich nicht. Konnte sie gar nicht sein. Auf den
unvermittelten Abriss angesprochen, liess sich der Berner Gemeinderat zur vermeintlichen Strassenkunst und deren Schutz wie folgt verlauten: «Es gibt keine verbindliche Regelung für den Umgang mit Strassenkunst. Die bestehenden Richtlinien sehen eine fachliche Einschätzung nur für Kunstwerke vor, die im Auftrag der Stadt erstellt wurden.»

Offensichtlich hätte einer der gefiederten Raubvögel auch in die Stadtverwaltung getragen werden müssen. Vielleicht hätte deren vielbeschworene Weisheit ein paar Leuten die Augen geöffnet. Denn wer mit geöffneten Augen durch Bern geht, dem fallen viele kleine und grosse Kunstwerke auf. Nicht vom Gemeinderat bestellte. Streetart eben. Wahrscheinlich muss die Schutzwürdigkeit solcher Werke in der Verwaltung überdacht werden – bevor da das Verhältnis zu nichtstädtischer Kultur in den Quartieren geflickt werden muss. Zum Beispiel mit «Uhu.»


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