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Pegelstand

von Sibylle Heiniger
© Rodja Galli, a259

Sibylle Heiniger

Sibylle Heiniger ist Regisseurin und Produzentin und engagiert sich bei t. OK Bern, dem Berufsverband fürs freie professionelle Theaterschaffen. Sie liebt die Aare (vor allem im Sommer) und gute Bücher (immer).

«Jeder Mensch ist ein Künstler oder eine Künstlerin», so wird Joseph Beuys oft zitiert. Der Künstler, der 1986 starb, trug massgeblich zur Konzeption der Sozialen Plastik als Gesamtkunstwerk bei, indem er Ende der 70er-Jahre ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik forderte. Was heute oft unter dem Schlagwort «Partizipation», oder etwas weniger verfänglich, als «kulturelle Teilhabe» abgehandelt wird, forderte er mit seiner Aussage von den Kunstschaffenden.

Die daraus entstandenen Werke waren und sind nicht immer als Kunst lesbar. Der Prozess und Miteinbezug aller Beteiligten steht im Vordergrund.Viele Projekte verstehen sich heute als «soziale Plastik», als innovativ, weil sie partizipativ sind. Partizipation braucht viel Zeit. Zeit, damit Visionen gemeinsam umgesetzt werden können.

Und Kunst mit diesem Anspruch muss raus aus der eigenen Komfortzone. Auch die Kunstschaffenden sind gefordert, aus ihren vertrauten Produktionsräumen heraus zu denken, zu handeln und zu debattieren. Kein Hochglanz-Katalog, keine minutiös durchinszenierte Aufführung runden die Projekte ab.

Nicht das Theater oder das Museum sind Orte des Geschehens, sondern niederschwellige Plätze und Gebäude müssen bespielt werden. So geschehen in Biel mit der Robert Walser-Sculpture diesen Sommer. Christian Pauli hat über diese Arbeit von Hirschhorn berichtet. Da passierte es regelmässig, dass Jugendliche mit ihren Bierdosen oder Randständige zusammen mit Cüpli-trinkenden Kunstbeflissenen einem Vortrag zu «Ästhetik» lauschten und ihre Kommentare dazu laut kund taten. Ein Forum der Begegnung direkt vor dem Bahnhof wurde möglich.

Und in Bern? Vergangenen Samstag wurde auf dem Bahnhofplatz in Bern «Connected Space» vorgestellt: In den nächsten Monaten wird Berner Kunst aus ihren Räumen ausziehen und im Botanischen Garten aktiv sein, in einer Metzgerei, einem Bed and Breakfast oder im mittelalterlichen Blutturm an der Aare. Also: raus mit uns und rein ins (Kunst)-Abenteuer!


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