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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Wolfgang Böhler ist Philosoph, Dozent für Musikphilosophie und -psychologie und Gründer des Onlinemagazins Codex flores. Er publiziert zu Musikwirkungsforschung und Kulturpolitik und ist Dirigent von Männerchören.

Solothurn ruft die Bevölkerung dazu auf, sich bei der Gestaltung einesKulturleitbildes einzubringen. Bern hat schon ein solches, die Rückmeldungen im nördlichen Nachbarkanton könnten aber dennoch von Interesse sein. Bemängelt wird von den Kulturschaffenden zuerst die bürokratische Schwerfälligkeit bei der Eingabe von Gesuchen. Sie schrecke vor allem die Jungen ab, die man ja bevorzugt erreichen müsste. Auch die langen Entscheidungsprozesse, die von halbjährlich stattfindenden Sitzungen des in Solothurn dafür zuständigen Kuratoriums abhängen, bilden Barrieren.

Die Kultur des Nachwuchses wird zusehends quecksilbriger, mit Pop-up­Angeboten, spontanen Aktionen und spartenübergreifenden Experimenten, die nicht recht ins administrative Raster von Kulturförderstellen passen wollen. Die Stadt Bern hätte zur Zeit eine Chance, da ein Zeichen zu setzen: Das geplante Museumsquartier könnte ja als offener, multifunktionaler Stadtpark gestaltet werden – eine Art erweiterte Münsterplattform? –, der mit offenen Bühnen und Infrastrukturen auch für Musik und die performativen Künste Möglichkeiten zu spontanen Präsentationen böte. Das grösste Hindernis für derartige Darbietungen: Nachbarn stören sich oft an der Berieselung. Eine Pioniertat wären also Räume im Freien, die akustisch abgeschirmt sind, aber dennoch für alle einladend wirken.

Man kann gespannt sein, ob die Berner Museen und Stadtplaner das Projekt als ihr ureigenes Ding verteidigen werden, welches sie ungern mit andern Kulturbereichen teilen, oder ob sich daraus ein lebendiger Begegnungsort für alle entwickelt. Gift wäre, einmal mehr mit erzieherischen Bemühungen die Kultur des Quartiers in eine bestimmte Richtung lenken zu wollen. Museen mit Bildungsauftrag sind da speziell anfällig. Hoffen wir, dass diese Zeiten der moralisierenden Kulturförderung bald vorbei sind.


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