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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Die Berner Theaterszene funktioniert wie eine grosse Familie. Alle sind in einer Art Schicksalsgemeinschaft verbunden. Im Grunde mögen sich alle, zeigen das aber nicht unbedingt. Und alle scheinen immer alles über alle zu wissen.

Kürzlich wurden aufgrund von zu vielen persönlichen und künstlerischen Verbindungen vermehrt Vorwürfe laut – besonders gegen die geldsprechende Seite. Aber macht nicht eben der enge Austausch den hiesigen Kulturkuchen aus? Und ist es nicht gerade wünschenswert, dass die Kommission die Szene kennt, über deren Förderung sie bestimmt, sich frei in ihr bewegt oder gar selber darin arbeitet?

Ich bin für weniger Kleingeist und mehr Vernetzung. Nicht nur zwischen Kulturförderung und Kulturschaffenden. Zwischen Institutionen, zwischen Häusern und Theatergruppen, interdisziplinär und sowieso über Alters-, Gender- und andere Grenzen hinweg. Viele von uns leben schliesslich im selben Prekariat, teilen Sorgen und Fragen, brennen fürs Gleiche. Wohlwollen, Respekt und Unterstützung machen erst ein innovatives Miteinander möglich. Und das braucht die Berner Kulturstadt und -landschaft. Und zwar nicht nur in Krisensituationen, sondern immer. Angesichts der hohen Dichte an Kulturkompetenz und der unsicheren Kulturzukunft vielleicht sogar immer mehr.

In den letzten Wochen kam es in der Theaterszene zu einem Zusammenrücken und Beistehen. Und einem gemeinsamen Erkennen und Aussprechen von dem, was wirklich zählt – und bleibt. Myriam Prongué, ehemalige langjährige Co-Leiterin des Schlachthaus Theaters und Ressortleiterin Theater bei Pro Helvetia, ist gestorben. Ihr unentwegter, ideologischer und inklusiver Einsatz für die Theaterschaffenden – das bleibt. Genauso wie die Erinnerung an ihr Lachen und ihre bezaubernde Verve. Und die Gewissheit, dass Grossherzigkeit immer gewinnt.

In diesem Sinne: Adieu, Myriam! Merci z’hällem Härzä, pour tout!


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