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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der BuCK-Nacht­leben Bern.

Bereits zum zweiten Mal innert zwei Jahren soll eine Volksinitiative das alte Tramdepot am Burgernziel «retten». Die Anführungszeichen sind etwas tendenziös. Aber ich halte das erneute Ansinnen der Initiantinnen und Initianten tendenziell auch für eher schwer verdaulich. Erstens schlägt es der Demokratie auf den Magen. 2015 hat das Stimmvolk mit 78 Prozent Ja zur Überbauung des Areals gesagt. 2017 sammelte eine Gruppe Unterschriften für eine «Rückkommens-Initiative». Ohne Erfolg. Die notwendigen Unterschriften kamen nicht zusammen. Jetzt also Versuch Nr. 2. Ob sich die Initiantinnen und Initianten, bei aller Sympathie für den Einsatz für Kultur- und Quartierorte, bewusst sind, dass sie sowohl der Demokratie- als auch der Stadt-Kultur einen Bärendienst erweisen?

Ein neuerer Trend in der direkten Demokratie geht dahin, dass Abstimmungsergebnisse nur noch vorläufig sind und niemand mehr eine Abstimmung verliert. Wann haben Sie zum letzten Mal ein Abstimmungs-Interview gehört, in dem die unterlegene Seite nicht in Anspruch nahm, irgendwie auch gewonnen zu haben und betonte, «das letzte Wort sei noch nicht gesprochen»? In diese Kerbe schlägt auch die Idee der Initiative: Ein Volksentscheid ist kein Entscheid – vielmehr nur eine Momentaufnahme, die jederzeit in Frage gestellt und umgeworfen werden kann. Und dann rätseln wir über die Ursachen der Demokratiemüdigkeit.
Das Ansinnen nagt gleichzeitig an der Institution «Zwischennutzung». Bern ist Weltmeisterin darin, aus Provisorien «Providurien» und dann Institutionen zu machen. Siehe Dampfzentrale, Progr, Löscher, …

Zu guter Letzt muss man sich in diesem Falle auch die Frage stellen, wo denn die Leute wohnen sollen, die die vielen Kulturorte besuchen, die wir (zu Recht) schaffen? Eine Stadt braucht auch (bezahlbaren) Wohnraum für Kulturkonsumierende.

Die Initiative zeigt aktuelle Konflikte exemplarisch auf: Kultur vs. Wohnen vs. Demokratie. Fortsetzung folgt …


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