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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Wolfgang Böhler ist Philosoph, Dozent für Musikphilosophie und -psychologie und Gründer des Onlinemagazins Codex flores. Er publiziert zu Musikwirkungsforschung und Kulturpolitik und ist Dirigent von Männerchören.

Wird 2019 zum Jahr der neuen Akzente in der Berner Kulturpolitik? Dafür spricht die neue Leitung von Kultur Stadt Bern. Franziska Burkhardt löst ab Februar Veronica Schaller ab. Bei Konzert Theater Bern ist mit dem Abgang von Intendant Stephan Märki und dem Doch-nicht-Abgang des Schauspielleiters Cihan Inan ein bisschen etwas in Bewegung geraten – mit offenem Ausgang. Eine Erweiterung des Kunstmuseums soll endlich konkret aufgegleist werden, die Hochschule der Künste dürfte von einem eigenen Campus weiterhin bloss träumen dürfen.
Dies alles ist Teil der kulturpolitischen Routine. Bedenklicher ist, dass die städtische Kultur von einer
übereifrigen Regierung mit erzieherischen und vermittelnden Massnahmen mehr und mehr zu einem sozialpädagogischen Projekt degradiert wird und aus einem manchmal peinlich anmutenden Gerangel um die Ressourcenverteilung nicht hinausfindet. Während in Freiräumen wie der Reitschule von «Autonomen» statt ideeller Grosszügigkeit auch bloss sture kleinbürgerliche Feindbildpflege kultiviert wird.
Und die Aussenwahrnehmung auf die Berner Kultur? Sie prägen eher kantonale Reizfiguren aus dem Mainstream: Trauffer, Gölä oder der Bieler George singen für ein ländliches, wenig experimentierfreudiges Publikum und bemühen sich auch nicht mehr wie einst noch ihre Vorläufer aus der Liedermacher-Szene – allen voran Mani Matter und seine Troubadour-Freunde – ums Brückenbauen. Die Schnittstellen zur urbanen Kultur, die der Dialektrock von Züri West oder Patent Ochsner noch schufen, scheinen mit dem Ableben von Polo Hofer und Hanery Amman mittlerweile ganz weg zu sein.
Dieser Rückzug in kleinliche Selbstbehauptung – sie ist in allen politischen Kulturlagern zu beobachten – wird im neuen Jahr deshalb zur grössten Herausforderung.

 


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