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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Wolfgang Böhler ist Philosoph, Dozent für Musikphilosophie und -psychologie und Gründer des Onlinemagazins Codex flores. Er publiziert zu Musikwirkungsforschung und Kulturpolitik und ist Dirigent von Männerchören.
Illustration: Rodja Galli, a259

 Vor kurzem trafen sich in Burgdorf Jugendmusiken aus der ganzen Schweiz zu einem der grössten Jugendmusikfeste unseres Landes – unter dröhnender Nichtbeachtung der kantonalen Berner Medien. Viereinhalbtausend Jugendliche aus allen Landesregionen musizierten füreinander und fürs
Publikum in Harmoniemusiken, Brass Bands, Streich- und Akkordeon­orchestern sowie zahlreichen weiteren Besetzungen. Es gab Konzerte von Trägern des Schweizer Musikpreises wie Ils Fränzlis da Tschlin oder innovativen Ensembles wie dem Kaleidoscope String Quartet.

Geht es nach unseren lokalen Medien, scheint ein derartiger Grossanlass für die Berner Kulturkonsumenten nicht von Interesse zu sein. Eine unverständliche Fehleinschätzung. Man kann sie sich nur mit falschen Bildern davon erklären, was denn hierzulande kulturell relevant ist und was nicht. Kulturjournalisten scheinen nach wie vor auf eine bestimmte Vorstellung davon eingeschossen zu sein, was lebendige, innovative Kultur ist: je disruptiver, urbaner, kritischer, umso besser. Die volksnahe, hoch partizipative, affirmative Kultur wird übersehen. Dabei ist auch sie ständig im Fluss. Ihre Erneuerung ist allerdings Resultat wenig spektakulärer und damit nicht so sichtbarer organischer Prozesse.

Es kann auch sein, dass die Kulturressorts der Berner Zeitungen und die Kulturradios sich ungern einlassen auf kulturelle Szenen die, wie die Blasmusik, stark von der Schweizer Armee mitorganisiert und alimentiert werden. Da werden allzu einfache Weltbilder gepflegt. Und Chancen verpasst. Auch einfach nur zur Kenntnis zu nehmen, auf welchem Niveau Brass Bands, Harmoniemusiken oder Perkussionisten der Höchstklasse musizieren und wie herausfordernd ihre Literatur sein kann, wäre aber journalistische Pflicht gewesen. Schade um diese verpasste Chance.


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